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Abstimmungen, Ukraine, Lino bald 17

Dienstag ist offizieller Bürotag bei Pexapark. Ich sollte mit gutem Beispiel vorangehen, und das ist mir auch wichtig. Aber mit der vielen Reisetätigkeit und allem anderen fällt uns der Dienstag gerade etwas schwer. Ich gehe nur kurz am Morgen hin und bin zum Mittagessen der Kinder wieder zu Hause. Die Hinfahrt ist immer mühsam, denn alle wollen um halb acht Uhr morgens mit dem Auto ins Büro. Ich vermeide die Autobahn und fahre über die vielen Hügel zum Flughafen; immerhin kann ich etwas Podcast hören.

Und Podcasts habe ich heute schon genug gehört: Gestern hatte ich einen Powertag und entsprechend früh schlief ich tief ein. Und gut geschlafen habe ich! Einfach mit der Konsequenz, dass ich um vier Uhr hellwach war. Ich wälzte mich noch etwas und riss dann um fünf Uhr die arme Nala aus ihren Hundeträumen. Sie wollte noch nicht aufstehen. Also liess ich sie noch liegen und wir gingen erst kurz vor sechs Uhr raus. Heute war es eine grosse Runde: eine Stunde rund um den Brühlberg. Ganz alleine, sie die ganze Zeit ohne Leine. Schön war es, gut tat es.

Wir essen Fischstäbchen zum Mittagessen. Es gibt doch deutliche Qualitätsunterschiede zwischen Iglo und den billigen von der Migros: Letztere brechen so schnell auseinander. Emma weigert sich, ihre scheussliche Zweifel Chips Geschmacks Mayonnaise zu essen.

Die Stimmunterlagen sind endlich da. Ich breite alles auf dem Tisch aus. Aber die Stimmheftli sind nicht mehr so gut wie früher. Vor allem das Bundesheftchen fand ich immer toll zum Lesen. Heute scheint mir alles so weichgespült. Neutralität Nein, Landwirtschaftsinitiative Ja. In der Stadt gibt es drei grosse Bauprojekte: Abwasseranlage, neues Altersheim und natürlich der Ausbau des Fussballstadions des FC Winterthur. Alles Ja. Ich bin immer für Bauprojekte. Und in Winterthur wird das Stadion unterstützt: Im Parlament gab es nur ein einziges Nein! Ganz andere Verhältnisse als in Zürich. Ich finde es nur schade, dass das Stadion nur auf 9900 Zuschauer ausgebaut wird (von glaube ich 8500 jetzt). Wieso nicht 14000 oder so?

Über die Neutralität könnte ich länger schreiben. Sie kann dienlich sein, auf jeden Fall. Wenn sich Frankreich und Deutschland hundert Jahre gegenseitig bekriegen, verhält man sich lieber neutral – mit allen dreckigen Seiten der Neutralität. Zuerst gilt es die Familie zu beschützen, dann seine Gemeinde, dann sein Land. Was das Überleben der unteren Ebene sichert, ist an sich legitim. Aber ich würde ein Prozent Mehrwertsteuer, etwa vier Milliarden Franken pro Jahr, in die ukrainische Rüstungsindustrie investieren. Es liegt im nationalen Interesse der Schweiz, dass die Ukraine souverän bleibt und Teil der europäischen Gemeinschaft wird. Der Neozar im Osten will den Westen, die EU, die NATO, unser offenes System zersetzen. Deutschland steht im Krieg mit Russland, wir wollen es einfach nicht aussprechen: Es findet Sabotage statt, Manager deutscher Rüstungsfirmen brauchen Schutz, wie ihn sonst nur der Kanzler kriegt, die Russen sind gerade an der Sprengung eines Frachtflugzeugs gescheitert. Es ist ein Abnützungskrieg. Und die Russen haben Angst, dass die Europäer ihre Industrie anwerfen; sie haben keine Chance gegen diese industrielle Kapazität.

Wie auch immer: Mein Punkt ist, dass man kalte, berechnende Aussenpolitik machen kann – mit und ohne Neutralität. Genauso wie man reich und wohlhabend werden kann innerhalb und ausserhalb der Europäischen Union. Wir führen die falsche Debatte in der Schweiz. Es braucht Konsens in wenigen, wichtigen Fragen sowie mutige Führung. Das fehlt, da würde ich auch Blocher recht geben: Lieber hinstehen und aussprechen, dass wir die Ukraine gewinnen sehen wollen und dies unterstützen.

Das Haus eines meiner Mitarbeiter in Kiew wurde heute von einer dieser Geran Jetdrohnen getroffen. Er und seine Familie sind wohlauf und er arbeitet weiter. Wir haben kurz gesprochen. Seit sechs Tagen unablässig Angriffe. Sie bereiten sich darauf vor, für den Winter aus der Stadt wegzuziehen. Die Ukraine will einfach nicht Russland sein. Je näher man an die Front kommt, desto härter ist der Widerstand gegen die Russen. Fragt jeden Mittel- und Osteuropäer: Die wollten und wollen alle weg von Russland.

Am Nachmittag arbeite ich zu Hause. Wir haben ein schlechtes Meeting. Aber was rege ich mich auf?

Emma erhält heute eine Absage von der AXA. Das ist nun die zweite grosse Absage. Sie ist etwas betrübt, das nagt natürlich. Wir reden ihr gut zu. Sie hat ein gesundes Ego, aber wir wissen ja, wie so etwas sein kann. Auf jeden Fall wird es gut kommen, was auch immer sein wird.

Morgen wird unser Gymi Wuschel 17 Jahre alt. Er meinte, vor einem Jahr sei er 15 gewesen, morgen 17, also ein riesiger Sprung. Er witzelt, dass mit 17 alles anders werde. Ich kann es manchmal kaum glauben: Da sitzt ein grosser, gescheiter junger Mann neben mir. Ich bin manchmal etwas sprachlos. Da sitzt er und grinst, wuschelt etwas im Gymi umher, füttert seinen Kopf mit Ideen, viel Gamen, viel Witz, dann immer wieder seine Projekte. Ich bin so gespannt, wie das alles weitergeht. Nun weniger als Beschützer und mehr als Beobachter.

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