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Kaufleute, Pläne, Propellerlärm

Kaufleute, Pläne, Propellerlärm

Irgendwie habe ich gerade ausgeprägte präsenile Bettflucht. Und so musste Nala wieder in aller Herrgottsfrühe mit mir laufen gehen. Ich habe mir heute frei genommen und fliege nach Hamburg. Hier ging es vor nun bald zehn Jahren so richtig los mit Pexapark. Ich treffe mich privat mit dem CEO eines grossen Energieunternehmens, denn ich brauche einen echten Realitätscheck für meine Ideen. Wir diskutieren intensiv und essen gemeinsam zu Zmittag. Das Büro, in dem eigentlich immerhin 120 Leute arbeiten, ist gespenstisch leer. Am Freitag tauchen jeweils nur fünf bis zehn Leute auf.

Hamburg fühlt sich vertraut an. Wie oft ich doch beruflich schon hier war! Mir ist die Stadt sympathisch, ich finde sie auf ihre Art die internationalste Stadt von Deutschland. Viel mehr noch als Frankfurt, und mit Berlin kann man sie ohnehin nicht vergleichen. Das sind Kaufleute und Händler hier. Alles pragmatisch. Nur ein bisschen viel Regen hat es. Zur Anfangszeit von Pexapark haben Birgit und ich uns überlegt, für eine Weile nach Hamburg zu ziehen. Fast alle unsere Kunden kamen von hier und wir wollten ein Büro vor Ort aufbauen. Hat dann aber nicht geklappt. Vor allem stellte sich heraus, wie schwer es in Deutschland ist, Leute anzustellen beziehungsweise sie wieder zu entlassen. Auf jeden Fall hat es mir heute gutgetan, einfach den ganzen Tag an meinen Plänen zu feilen. Es konkretisiert sich zusehends. Ich bin wirklich gespannt, wie sich das alles entwickeln wird.

Viel Zeit bleibt mir allerdings nicht, um noch in der Stadt zu verweilen. Ich nehme die S Bahn zurück zum Bahnhof. Vor lauter Nachdenken verpasse ich den Umstieg und fahre zu weit. Die Rückfahrt verzögert sich dann auch noch wegen eines grösseren Polizeieinsatzes, sodass ich ernsthaft fürchten musste, meinen Flug zu verpassen. Hat am Ende aber glücklicherweise geklappt.

Ich hatte per Zufall auf Booking eine Verbindung nach Friedrichshafen entdeckt. Zuerst musste ich mich kurz darüber aufregen, dass man bei der Direktbuchung auf Swiss höhere Preise angezeigt bekommt als auf Booking. Ergibt für mich betriebswirtschaftlich überhaupt keinen Sinn. Jedenfalls ging es dann mit einer kleinen Propellermaschine von Hamburg nach Friedrichshafen.

Am Hamburger Flughafen bin ich zuvor noch auf eine ganz wunderbare Zeitschrift gestossen: „Lettre“, Untertitel „Europas Kulturzeitung“. Riesiges Format, stolzer Preis, bietet aber Unmengen an Lesestoff. Und was für Stoff! Nicht nur Kunst, sondern Briefe, Politik, Essays. Ich bin ganz verzückt und stürze mich sofort ins Lesen, doch die Müdigkeit übermannt mich rasch. Kurze Nacht, langer Tag. Trotz des anhaltenden Propellerlärms nicke ich fast komatös weg und wache erst kurz vor Friedrichshafen wieder auf.

Ein echter Miniflughafen: Vom Flugzeug bis zum Parkplatz sind es sprichwörtlich keine hundert Meter. Ich werde von Birgits Vater Karlheinz abgeholt. Birgit bringt derweil Mio zum Geburtstag seines Cousins. Emma ist auch mit von der Partie, nur Lino liess sich wie erwartet nicht überzeugen und blieb lieber in Winterthur. Ich öffne erst einmal all die Päckli, die wir uns immer hierher nach Deutschland schicken lassen, und gehe nach dem Znacht nochmals eine Runde mit Nala laufen. Es ist immer noch unglaublich warm. Wann wird es endlich kühler?

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hans.muster@beispiel.com
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