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Rose, Science Fiction & vor der Vor-Hochzeit

Rose, Science Fiction & vor der Vor-Hochzeit

Ohne meinen gewohnten Tagesrhythmus schreibe ich seit unserer Ankunft in Italien die Tagesberichte nun nach dem Baden und meine Tagesbeiträge kommen halt irgendwann während des Tages, nicht wie sonst ordentlich am frühen Morgen.

An der Adria in Apulien gibt es nicht wirklich schöne Sandstrände. Es ist sehr felsig. Doch mitten in diesen Felsen gibt es wunderbare Möglichkeiten zu verweilen, zu schwimmen und – wir sind ja in Italien – wunderbar zu essen. Und es sind definitiv Sommerferien, wenn man zum Mittagessen um 14 Uhr etwas Rosé trinken kann.

Die Kinder fanden es toll, vor allem die Buben, die jauchzend auf grossen aufgeblasenen Pyramiden und Trampolinen im Wasser herumkletterten und sprangen. Allerdings waren die Mädchen genauso wild darauf und kreischten und sprangen wild umher.

Und ich finde Zeit zum Lesen. Ich habe einen alten Science-Fiction-Klassiker aus den 1980er-Jahren mitgebracht: Neuromancer von William Gibson. Ich besitze sogar eine der ersten Ausgaben, die schon recht vergilbt ist. Dieses Buch war wegweisend für die gesamte Cyberkultur. Es ist unglaublich dicht und schafft total abgefahrene, spannende und durchdachte Welten. Gute Science-Fiction hat oft anthropologischen Charakter. Es werden Gesellschaften und ihre Strukturen beschrieben.

Seit Langem hege ich den Wunsch, ein „Quartett“ über die besten Science-Fiction-Bücher zu erstellen – ähnlich wie diese Auto-Quartett-Karten. Auf der Vorderseite ein Bild des Buches, auf der Rückseite Angaben zum Inhalt, abgehandelt nach einem Schema der vergleichenden Politikwissenschaft. Zum Beispiel: Grad der politischen Zentralisierung, Legitimationsquelle der Herrschaft, soziale Inklusionsrate oder Stabilitätsindex. Ich habe ja vor langer Zeit in St. Gallen Staatswissenschaften studiert, und die Thematik fasziniert mich noch immer. Besonders unterschiedliche Staatssysteme finde ich interessant. Die verschiedenen Bücher bzw. ihre fiktiven Systeme ließen sich relativ gut in ein politikwissenschaftliches Raster pressen: autokratische Imperien wie Dune, Starship Troopers oder 1984; technokratische Demokratien wie Foundation oder Brave New World; anarchische Utopien wie Ursula K. Le Guins Planet der Habenichtse – und meine Lieblingswelten: fragile postapokalyptische Systeme.

Die einzelnen Bücher würde man anhand der erwähnten oder ähnlicher Kriterien bewerten. Dune (Wüstenplanet), das übrigens grossartig verfilmt wurde, hätte zum Beispiel einen Zentralisierungsgrad von 10 (totales Imperium), eine Legitimität von 9 (Tradition), eine Inklusionsrate von 2 und einen Stabilitätsindex von 4. Die Machtverhältnisse zwischen den „Häusern“ im Imperium waren schließlich ein steter Faktor für Instabilität. Zusätzlich könnte man noch einige faktische Themen wie Technologie oder soziale Fragen aufnehmen. Am Ende würde ich dieses Science-Fiction-Buch-Quartett drucken lassen. Ein wunderbares Projekt für kurze, dunkle Wintertage – und heute so viel einfacher umsetzbar dank der wunderbaren KI, mit der ich immer lieber arbeite. Einfach großartig, was heute möglich ist.

Ui, nun steht bald die Vorhochzeit an. Wir müssen alle in Weiß gekleidet kommen. Nach dem Strand hatten wir noch etwas Zeit zu Hause. Zum Lesen – ich lese gerade vor allem Die Nordstream-Sprengung, ein super Buch von einem tollen Autor und Journalisten. Ich habe zwar alles schon ausführlich in einem Podcast gehört, aber es ist perfekter Sommerferienlesestoff, um etwas auszuruhen – und nebenbei schnell die Kleider der Kinder zu bügeln. Das ist auch ein schöner Nebeneffekt von solchen Festen: Man sieht seine Kinder wieder einmal schön angezogen.

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