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Intellektuelles Wiederkäuen

Ich jage meine täglichen Notizen immer mal wieder durch die KI. Das ist glaub das neue Selbst-Googeln. Früher googelte ich mal, um zu sehen, was unter Luca so steht oder was das Internet alles weiss. Heute pflege ich diese Eitelkeiten mit der KI. Dabei ist mir aufgefallen, dass das neue Opus-Modell von Claude doch sehr kritisch und direkt ist. Es hat mir gestern einige Sachen an den Kopf geworfen. War aber nicht schlecht, ich war einfach erstaunt. Ich gebe ja sonst eher klare Instruktionen, was ich will oder welche Perspektive eingenommen werden soll. Aber wie gesagt: Seit ein paar Wochen gibt es immer mehr Widerrede. Es führt auch nicht mehr einfach aus, sondern stellt die ganze Zeit Gegenfragen. Das ist dann doch eher nervig, und ich muss der Sache wohl auf den Grund gehen.

Wir gehen am Freitagabend mit der ganzen Familie „The Odyssey“ schauen. Es war erstaunlich einfach, einen Familienanlass daraus zu machen. Emma und Lino haben sofort zugesagt. Das ist mal was anderes! Und wir schauen den Film auf Englisch, das war Linos Wunsch. Birgits Wunsch war eine richtige Grossleinwand, und so fahren wir nun extra nach Zürich, um ihn in einem IMAX-Kino zu sehen. Was Lino dann wieder korrigiert hat, weil es ja angeblich gar kein richtiges IMAX-Kino gäbe in der Schweiz. Ich war mehr erstaunt, dass der Spass gleich 120 Stutz kostet. Aber der Saal war fast schon total ausgebucht. Wie auch immer: Hauptsache, wir haben das hingekriegt und können alle etwas zusammen machen.

Heute habe ich auf der Gassirunde mal Podcasts gehört. Es war ein langes Interview mit der Chefin der New York Times. Die Zeitung ist so unglaublich erfolgreich geworden, mit mittlerweile rund 15 Millionen Abonnenten. Und zwar für richtigen Journalismus! Ihr Rezept war auch das Bundling: Alles, was sie machen – ob Text, Audio oder Video –, muss höchsten journalistischen Ansprüchen genügen. Das wenden sie genauso auf Rezepte oder Sportjournalismus an. Sie bündeln dann mehrere Abos in einem und machen es zugänglich für Familien, sodass man es online teilen kann. Einfach richtig gut. Wir haben ja oft im Texas-Blog auch über diese Zeitung berichtet. Es war spannend zu hören, wie die NYT das gemacht hat. Was mir gefallen hat, ist die Erklärung, warum und wie sie auf Social Media wie Instagram und TikTok Werbung machen: Wie erreicht man sonst die Jugend und neue Leser? Sie versuchen aktiv, ihr Gütesiegel Qualität bekannt zu machen. Früher ging die Kundenanbahnung – wenn man das so sagen kann – ja einfach über die Familie oder das Umfeld. Das fällt heute ja fast ganz weg. Ihr Vorteil ist sicher auch, dass sie einen riesigen englischsprachigen Raum bedienen können. Viele grosse Städte haben keine eigene Zeitung mehr, was wohl auch bedeutet, dass alle Lesenden vermehrt auf eine der wenigen verbleibenden Journalistenplattformen ausweichen. Wie auch immer: Neben den tollen Solo-Journalisten, die auf Substack, YouTube und Spotify Karriere machen, gibt es weiterhin ein paar grosse Qualitätsformate. Ich bin gespannt, wie sich das im deutschsprachigen Raum entwickeln wird.

Für die verbleibenden Monate habe ich mir gestern ein paar wenige Dinge vorgenommen. Eigentlich ist mir ja immer alles klar. Ich bin ein intellektueller Wiederkäuer: Ich wiederhole immer und immer wieder die gleichen Überlegungen und komme immer und immer wieder zu den gleichen Schlüssen. Es geht ja auch um immerwährende Tugenden und Gewohnheiten. Das Wiederholen ist in dem Sinne eine Stütze und Hilfe, den richtigen Weg zu gehen (das war auch etwas, was Claude mir an den Kopf geworfen hat: „Immer das Gleiche, mach einfach!“). Ich weiss ganz genau bis ins kleinste Detail, was es für einen guten Tag und für eine gute Woche braucht. Und viel mehr kenne ich auch den Umkehrschluss, die negativen Spiralen. Aber wie gesagt: Trotz dem Wissen heisst es bekanntlich nicht, dass man es praktisch auch macht. Der Wille ist stark, das Fleisch ist schwach. Wobei dem auch entgegenzuhalten ist, dass der Wille ein bisschen wie ein Muskel ist: Wird er nicht trainiert, erschlafft er. Und beansprucht man ihn stark, muss man auch wieder Pause machen. Einfache Selbstoptimierung ist daher eine böse Falle.

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hans.muster@beispiel.com
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