Im Tunnel
Wir hatten heute Besuch: unsere Familienfreunde. Die Gesprächsthemen waren breit gefächert. Auf jeden Fall haben wir diskutiert über die Frauen von Hermann Hesse, ob alle grossen Künstler Arschlöcher waren, vor allem in Bezug auf ihre Mitmenschen, den Stress, den Eltern und Kinder beim Lehrstellensuchen haben, die nächsten Ferien sowie die letzten Ferien und allgemeine Befindlichkeiten. Und dann, wie immer, zu viel gegessen und Rotwein getrunken. Ein wunderbarer Abend.
Ich hatte heute einen speziellen Tag. Ich bin etwas grummelig aufgestanden und war schon die ganze Woche etwas mit meinen IT Projekten beschäftigt, eher der privaten Sorte. Irgendetwas war heute in der Luft. Und so habe ich heute eine App gebaucht. Damit habe ich in den Ferien schon angefangen, heute war aber grosser "Bautag". Ich habe nur kurz reingeguckt in die erste Fassung, irgendwann um 9 Uhr, und da bin ich nicht mehr davon losgekommen. Ich habe all meine Kredite bei Claude aufgebraucht. Ich musste extra noch für 20 Euro dazukaufen, aber oh my, habe ich was Schönes gebaut.
Zum Glück gibt es Lino. Ich musste bis 6 Uhr warten, bis er zu Hause war und ich ihm die App zeigen konnte. Es ist eine Notiz App. Ich mache gerne Notizen über das, was ich lese, über das, was ich sehe, über das, was mir auffällt. Was die App jetzt kann, ist, alle meine Notizen aufzunehmen in einem einfachen File, also einem Dokument.
Sie putzt die Notizen, das heisst, die KI korrigiert die Fehler, bleibt aber nahe beim Text. Sie versieht sie mit einer Markierung, das heisst einem Label, dem Datum und dem Ort, woher die Notiz kam. Ich kann das über das Telefon direkt mit dem Knopf drücken und dann einfach sagen: „Bitte speichere das ab unter meinen täglichen Notizen.“ So sammelt sich das alles schön strukturiert an.
Ich schaue das zwar nicht jeden Tag an, auch nicht jede Woche, sondern manchmal alle paar Monate und dann wieder intensiver. Dann kann ich draufklicken. Da steht zum Beispiel das Label „Leseideen“, „allgemeine Ideen“ oder „Geopolitik“. Dann bin ich einfach glücklich und lese mich da durch.
Was mir dann plötzlich eingefallen ist, ist, dass ich ja über die Claude all meine anderen Notizsysteme damit verknüpfen kann! Da wäre zuerst mal Readwise. Alle Bücher, die ich digital lese, markiere ich entsprechend was ich gut find. Auch alles, was ich online lese, kann ich unterstreichen. Das speichert es ab in einer App und diese App habe ich auf meinem Telefon. Die klicke ich jeden Tag an und die zeigt mir dann die Notizen, die ich mal gelesen habe.
Wenn ich das abklicke, kriege ich ein Kreuz und seit 2083 Tagen habe ich jeden Tag hintereinander immer wieder meine alten Notizen angeschaut. Jetzt habe ich heute festgestellt, dass es einen Connector gibt. Das heisst, ich konnte meine 3119 Büchernotitzen der letzten Jahre in meine App reinziehen.
Dieses Glücksgefühl steigerte sich dann noch immens, weil ich ja auch seit 10 Jahren mit Google Notizen wild kreuz und quer Fotos mache, Notizen aufschreibe. Und auch dies konnte ich georndet reinpflügen. So ging der ganze Tag weiter. Um ehrlich zu sein, habe ich 1 Stunde für Pexapark gearbeitet und ich fühle mich etwas schuldig. Aber ich habe so viel gelernt, es hat so viel Spass gemacht, ich konnte nicht mehr aufhören.

Es ist ein wunderbares Zeitalter, um zu lernen und zu kreieren. Ich glaube, ich sollte diese Zeit viel intensiver nutzen und noch viel, viel, viel mehr solche Tools bauen und Research Projekte starten und durchführen, weil die ganze KI so massiv quersubventioniert ist. Das wird wohl bald viel mehr kosten. Das ist meine Prognose. Ich hoffe, ich liege falsch.
Sonst hatten wir auch viel Besuch. Mio war hier mit 3 Freunden und Emma war hier mit 2 Freundinnen. Die wollten nach der Schule backen. Und zwar hatten sie sich einer Extra Herausforderung gestellt: Eine durfte nichts sehen, eine durfte nichts hören, eine durfte nichts sagen. So haben sie dann mit Kopfhörern, Augenmaske und Kleber auf dem Mund angefangen, Cookies zu backen. Diese Cookies sind nun im Eimer. Nicht geglückt, Operation fehlgeschlagen, aber sie hatten ihren Spass.
Wenn ich rausschaue, ist es nun dunkel, es ist kalt, es ist stürmisch, der Wind ist da. Das sind wunderbare Voraussetzungen für einen tiefen, gesunden Schlaf.
Ich freue mich auf den nächsten Tag.