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Lichtbänder, Aufbruch & Glasbruch

Lichtbänder, Aufbruch & Glasbruch

Es dauert schon wieder länger, bis es am Morgen hell wird. Wenn ich mit Nala aus dem Haus gehe, ist es nun wieder dunkel. Dafür ist es schön, wenn man so in den anbrechenden Tag hineinlaufen kann. Wir steigen zum höchsten Punkt hoch, von dem man einen freien Blick über das ganze Kempttal hat. Das hört sich nun nach etwas Naturromantik an, was es vielleicht auch ist, aber der Blick schweift in erster Linie auf die Autobahn: Man sieht diesen riesigen, unendlichen Autostrom in Form von roten und weissen Lichtern – ein unablässiges Blechband, das sich da unten durch das Tal wälzt. Im Hintergrund die fernen Alpen. Man hört die Autobahn eigentlich nicht, und so ergibt sich dann doch eine ganz spezielle Morgenstimmung.

Ich arbeite heute zum ersten Mal an Volto. Ich treffe mich in einem gemieteten Büro in der Stadt mit einer möglichen Partnerin. Sie ist Schwedin – wobei sie sich sehr wahrscheinlich als Schweizerin bezeichnen würde – und hat vor vier bis fünf Jahren bei Pexapark gearbeitet. Sie war eine der ersten Angestellten. Wir haben sicher fünf Stunden lang alles Grundsätzliche besprochen. Und je länger wir sprachen, desto besser wurde es.

Und so besprechen wir viele knifflige Fragen: Wer ist der Chef? Wer entscheidet bei was? Wem gehört wie viel? Wie viel Geld investieren wir? Wie viel Risiko nehmen wir? Wie wollen wir arbeiten? Und so weiter. Ich kann aus dem Vollen schöpfen nach neun Jahren Pexapark. Neben der Firmengründung erarbeitet man zusammen einen zusätzlichen Aktionärsbindungsvertrag, der solche Sachen regelt. Eine Art wie ein Ehe- und Erbvertrag: Alles Wichtige muss geregelt sein. Diese Gespräche muss man führen, sonst brockt man sich später Probleme ein. Sie hat Biss, versteht etwas von der Branche und ihrem Fach, und sie will unbedingt ein Produkt und eine Firma aufbauen – das ist nun ihr Ding. Und dass wir damals vier bis fünf Jahre zusammengearbeitet haben, ist ein riesiger Vorteil. Man kennt sich. Ich habe ein gutes Gefühl: Es geht los.

Nach dem klärenden Gespräch gestern in der Firma habe ich heute dann auch meine Kündigung eingereicht. Das war nun kein grosser Akt mehr, einfach nur noch der formelle Schritt.

Am Nachmittag gingen dann plötzlich die Hagelmeldungen los. In Wülflingen ging ein heftiger Hagelsturm nieder, wie auch in anderen Teilen der Schweiz. Mio hatte Glück im Unglück: Sie hatten Schutz unter einem Vordach gesucht, aber der Hagel hat das Glasdach zertrümmert, und ein Splitter hat Mio eine Schramme an der Wange verpasst. Nichts Gröberes, es blieb vor allem der Schock. Eine Lehrerin musste wegen einer Platzwunde am Kopf ins Spital, und mehrere Kinder wurden ohnmächtig. Danach sah Wülflingen echt ziemlich zerzaust aus: die Autos voller Beulen, viele Scheiben eingeschlagen, ganze Hauswände zerschlagen, als wären sie beschossen worden. Bei uns im Garten liegt viel Zeug, wir haben kaputte Jalousien und natürlich auch ein total verbeultes Auto. Wir diskutieren gleich, ob wir nun deswegen ein neues Auto kaufen können.

Emma hat Besuch von Freundinnen. Birgit und ich wollten eigentlich an ihr Fussballspiel, aber bei diesem Wetter bleiben wir zu Hause. Jetzt können wir uns etwas ausruhen.

Hagelputz
Ein Wohnblock in Wülflingen

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hans.muster@beispiel.com
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