Einmal schlafen, Gymiwuschel, Winterthur Veloabend
Ich habe mir guten Rat geholt: von Birgit und zwei Freunden, dann einmal darüber geschlafen. Das Unbehagen einfach adressieren. Und so hat sich der Tag heute prächtig entwickelt: Die Spannung ist draussen, zumindest einmal auf Partnerebene. Was lerne ich daraus? Immer wieder das Gleiche: nie sofort reagieren, immer mal Luft holen, einmal schlafen. Es ist ja nicht so, dass man nicht wüsste, was zu tun wäre. Das Tun ist das Schwierige.
Trotz lautem und grossem Protest von Mio sind wir am Abend in die Stadt gefahren. Er konnte sich wirklich kaum einkriegen. Und dann noch das: Wir gehen mit dem Velo! Der junge Mann kann fluchen, echt jetzt. Kaum war er dann aber auf dem Velo, war von der Rage nicht mehr viel zu spüren, er fand es cool.
Wir fahren zu Linos Gymi. Sie haben heute Homecoming Day, einen Tag für die ehemaligen Schüler. Seine Klasse betreibt einen Dönerstand. Ich kaufe mir natürlich auch einen Döner und zahle zwanzig statt zwölf Stutz. Stand der verkauften Döner war 23; sie brauchen fünfzig, um überhaupt in die Gewinnzone zu kommen. Bin gespannt, ob sie das schaffen.
Ich schaue mir das Foto von Lino an: Was für ein grosser junger Mann da neben Birgit steht. Wie gross er schon geworden ist! Ich habe diese Bilder von ihm als kleiner Bub fest in meinem Kopf eingebrannt, und jetzt habe ich so einen grossen Gymi-Wuschel. Ich interessiere mich für seine Klassenkameradinnen am Stand: Die sind alle sehr zuvorkommend, höflich und ......hübsch! Ich halte mich zurück, mich als Vater von Lino zu outen – das wäre ihm sicher peinlich. Ich spreche ihn später auch auf diese Kameradinnen an, aber da dreht er gleich ab.
Birgit und Mio fanden es auch toll, es war eine schöne Abendstimmung. Alles ist auch im Umbau: Die Eulach zwischen Tech und Gymi wurde freigelegt, das wird einmal ein schöner Park.
Birgit geht nach dem Essen noch in ein FabLab. Das ist so eine offene Werkstatt eines Vereins voll mit lauter tollen Geräten. Sie will einen Lasercutter für ihr neues Projekt benutzen. Mio und ich besuchen auf dem Heimweg noch Freunde. Es ist ein typischer Winterthurer Abend: alle mit dem Velo unterwegs, alle sehr entspannt.
Und nun bin ich müde von der Woche. Noch etwas lesen, noch etwas runterfahren. Dann abtauchen im Schlaf. Morgen wartet wieder ein toller Tag.