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Fertig Migros

Fertig Migros
Primerose Hill

Heute Morgen wieder Laufen im Regent’s Park. Diesmal eine etwas längere Route: Es gibt gleich nördlich angrenzend inmitten prächtiger Villen und Häuser noch den Primrose Hill. Auch der gelb natürlich, aber er ist bekannt für einen kleinen, 68 Meter hohen Hügel, von welchem man eine unglaubliche Sicht auf ganz London hat. Es war früh, frisch, und zwischen den Hochhäusern waberte noch der Morgennebel umher. Traumhaft. Am Boden eine Inschrift eingemeisselt, dass hier einst jemand auf dem Hügel stand und sich mit der spirituellen Schönheit unterhielt. Ich hatte nun nicht gleich eine derartige Rührung, aber der Ort heute Morgen hatte in der Tat etwas Magisches.

Ich laufe beschwingt und bereit für den Tag zurück ins Hotel. Ins Büro fahre ich mit einem der Leihvelos. Das ist einfach bequem. In der U-Bahn ist es zur Rushhour so voll und vor allem schwül. Heute bin ich zum ersten Mal in unserem neuen Büro: Es liegt viel zentraler und das Quartier ist nicht so hip und cool wie vorher. Auch das Büro ist vor allem einfach Büro, nicht mehr und nicht weniger. Wie immer in London ist auch hier der Platz eng gehalten. Aber es herrschte heute eine gute Stimmung, und es ist einfach schön, ein volles Büro mit Arbeitskollegen zu sehen. So lernt man sich auch kennen, und es finden eben diese spontanen Austausche und Aha-Momente statt. Ich würde jedem jungen Absolventen oder Berufseinsteiger anraten, so oft wie möglich ins Büro zu gehen. Remote und Homeoffice ist etwas, wenn man Kinder hat und die Flexibilität braucht, und nicht einfach ein Dauerzustand.

Mein Partner Michi und ich sind auf dem gleichen Flieger zurück nach Zürich. In den letzten zwei Wochen hat sich viel getan. Er ist eigentlich guter Dinge, und wir haben alle grossen Themen besprochen. Als ich dann wieder alleine auf meinem Sitz im Flieger war, traf mich zum ersten Mal doch etwas eine emotionale Wucht ob dem Ganzen: Es waren intensive neun Jahre, nun geht es weiter, und alles ist nicht so einfach im Übergang.

Nun geht es um meinen weiteren Verbleib oder Nicht-Verbleib im Verwaltungsrat. Ich habe ja sowieso ein ökonomisches Interesse am Wohlergehen von Pexapark als Gründer und Teilhaber, aber mit dem Verwaltungsratsmandat kommen Pflichten und auch extra Einschränkungen zutage, bei denen ich nicht sicher bin, ob ich diese haben möchte. Ich will vor allem einfach frei sein und nicht immer überlegen müssen, wie dies oder jenes im Zusammenhang mit Pexapark steht. Es geht mir gar nicht um Konkurrenz- und Abwerbeverbote, was Sinn ergibt, sondern um Sorgfaltspflichten – und dann gibt es da noch echt ein paar Knebel im Vertrag. Wie dem auch sei: Ich habe Rat, ich höre jetzt nicht vorschnell auf meinen Bauch, sondern lasse mir Zeit. Mehr als Pexapark ist mir vor allem die Beziehung zu meinem Partner wichtig.

Emma hat eine Absage von der Migros Bank gekriegt. Das hat sie heute glaube ich schon ein bisschen mitgenommen. Das gehört eben auch dazu. Bis jetzt gefällt ihr mit Abstand die ZKB am besten. Sie hat sich heute auch gleich nochmals für das Bewerbungsgespräch bedankt und ihr Interesse bekräftigt – genauso, wie es ein Arbeitgeber erwarten würde. Wie schon oft geschrieben: Die letzten Wochen waren so wertvoll für sie. Diese Erfahrung! Mit der Migros-Absage löst sich nun doch auch etwas meine Liebe zur Migros. Ich habe Emma gesagt, dass Birgit und ich in den letzten Wochen ohnehin etwas enttäuscht von der Migros Töss waren und bei Lidl fremdgingen. Am Samstag informiere ich glaube nun die Verkäuferin an der Kasse der Migros Töss, dass Emma abgelehnt wurde und wir nun unsere Cumulus-Mitgliedschaft deponieren wollen. Ein bisschen Trotz muss schliesslich sein! :)

Linos Schule hat morgen Homecoming Day. Er und seine Klasse betreiben während des Anlasses einen Dönerstand, um Geld für die Klassenkasse zu erwirtschaften. Die Eltern einer Klassenkollegin betreiben einen Dönerladen in Oberwinterthur namens Hassan Döner, sodass sie nun eine Profiausrüstung haben. Lino ist skeptisch, ob sie es schaffen, mehr als fünfzig Döner zu verkaufen, damit sie überhaupt in die Gewinnzone kommen. Birgit und ich überlegen, morgen vorbeizugehen.

Ich bin rechtzeitig zu Hause, sodass ich noch mit Nala laufen gehen kann. Sie hat angefangen zu mausen und buddelt wie wild herum. Es ist wieder heiss, 30 Grad, ich schwitze. Dann das gemeinsame Abendessen – meine Lieblingszeit: Alle am Tisch, wir tauschen uns wie immer über dieses und jenes aus. Die Kinder versuchen alle, mit links zu schreiben, wir besprechen, wie der Ukrainekrieg enden könnte, Mio schafft nun drei Klimmzüge – einmal quer durch die Welt.

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