Mahlstrom, alleine in London, Battersea Park
Ich bin wieder zurück aus London. Heute war dann doch wieder ein etwas versöhnlicher Tag. Eigentlich wäre heute noch mein Männerabend gewesen, aber ich war ab halb drei Uhr morgens wach und wollte auch sonst einfach schnell nach Hause. Das mit Emma hat mich gestern beschäftigt, und im Kopf wälzte sich ein elterlicher Mahlstrom an Gedanken und Sorgen.
Irgendwann war ich es dann leid und bin raus in die Stadt. Ganz alleine war ich in London unterwegs: Um fünf Uhr hat es keine Menschen, nur ein paar Autos und Taxis. Die Massen sind weg. Ich nehme mir ein Mietvelo und fahre eine halbe Stunde der Themse entlang flussaufwärts, vorbei an all den Wahrzeichen. Auch hier: Überall bin ich ganz für mich. Ich fahre zum Battersea Park. Der liegt neben diesem ikonischen, riesigen, stillgelegten Kohlekraftwerk. Der Park wurde mir letzte Woche empfohlen: Er ist riesig, liegt aber etwas abseits des Zentrums. Und so erlaufe ich einen weiteren Park. Weil ich viel Zeit habe, renne ich der Themse entlang wieder zurück zum Hotel: duschen, Atemübung, kurz nochmals ein paar Minuten dösen, und dann stürze ich mich in den Tag.
Nun sind die Strassen wieder rappelvoll, die Bürogummis hetzen durch die Gassen, die Trottoirs sind überfüllt. Ich treffe mich mit einem Branchenkollegen, einem super netten Franzosen. Ich teste ein paar Ideen bezüglich meiner neuen Geschäftsidee an. Ich bin in den letzten Tagen gedanklich sehr gut weitergekommen. Und mit der KI kann ich so viel schneller alles umsetzen, festhalten und recherchieren. Wie schon oft geschrieben: einfach unglaublich, wie sich das Arbeiten in den letzten paar Jahren verändert hat.
Im Büro hat es heute nur drei oder vier Seelen. Die meisten kommen am Dienstag und Mittwoch. Ich habe mich mit unserem Finanzchef verabredet. Er ist vom Typ her streng, halt Finanzler, die müssen so sein. Aber er ist massgeblich für die Fortschritte des letzten Jahres verantwortlich. Er ist enttäuscht über meinen Weggang und will mich zum Bleiben überreden. Wir haben aber ein gutes Gespräch. Ich denke nicht, dass der Verkauf nächstes Jahr klappt, und ich will dann nicht im Juni oder Juli nächsten Jahres wieder an genau diesem Punkt stehen. Aber das will ich ihm nicht darlegen, aus offensichtlichen Gründen; das ist eine Diskussion für den Verwaltungsrat. Immerhin sind er und der Rest des Managementteams bereit. Es wird auch ohne mich gehen, es geht immer.
Dann treffe ich noch einen anderen Gründer, den ich über die Jahre schätzen gelernt habe. Wir sprechen alle paar Monate miteinander, und der Austausch ist, wenn auch immer kurz, unglaublich interessant und lehrreich. Wir verstehen uns blind, teilen denselben Job als Gründer.
Und dann ist endlich Zeit, nach Hause zu gehen. Ich fliege über den kleinen London City Airport: Der liegt nah und ist wunderbar unkompliziert. Ich transkribiere noch etwas meine Handnotizen der letzten zwei Tage, sage meinen Freunden für den Männerabend ab und sehne mich nach dem Schlafen im Flugzeug. Die beste Zeit, im Flieger einzuschlafen, ist beim Start, wenn einen die Schwerkraft in den Sitz drückt. Ich wache kurz vor Zürich wieder auf.
Ich leiste mir ein Taxi nach Hause. Mit Bolt kostet die Fahrt 29.80 Franken, was einfach nur noch Dumping ist. Aber na ja, natürlich nehme ich es. Normalerweise kostet die Fahrt sonst 40 bis 45 Franken. Früher, mit den regulierten Taxis, waren es 120 Franken! In den Ubers und Bolts fahren denn auch immer frisch Zugewanderte; heute war es ein Rumäne. Jeder kann Auto fahren, so kann man sich etwas dazuverdienen.
Dann endlich zu Hause: einfach schön, heimzukommen. Ich esse die Reste, wir schwatzen etwas. Birgit hat auch noch Arbeit, so kann ich zumindest heute Abend noch etwas an meinen Sachen feilen.