Ende Woche. Gut müde sein.
Dass ich nun schreibe, heisst, dass der Tag fertig ist. Und weil Freitag ist, auch die Woche. Wir treffen uns heute nach der Arbeit im Bierwerk, unserer Lieblingskneipe. Heute herrscht Halligalli in der Europaallee: irgendein Fest. Ich habe das Gefühl, ich sei wieder in London – einfach wegen des Gedränges, des Lärms, aber auch wegen des Stadtfeelings. Nico und Gian kommen auch hinzu. Es ist laut, wir trinken etwas Bier und schwatzen. Nico sieht gut aus: Er hat in den letzten Monaten acht Kilo oder so abgenommen. Jeden Tag etwas mehr Schlaf, Sport und eine Pause von der Arbeit haben ihren Effekt gezeigt. Es ist ihm auch wohlverdient.
Die Jungs sind in der Masse unterwegs. Sie wollen bei Miss Miu essen. Irgendwie wollen unsere Kinder immer nur bei diesem Koreaner essen. Emma verabschiedet sich aber zuerst, sie will in Winterthur in den Ausgang. Es geht ihr wieder prima: Sie hat sogar ein Lehrstellenangebot von Swisscom erhalten! Die Firma beziehungsweise das Vorstellungsgespräch dort war aber so schlecht, dass sie die Stelle sicher nicht annimmt. Nächste Woche stehen Vorstellungsgespräche bei der Allianz und den SBB an. Aber wieder: Es ist einfach enorm viel Arbeit. So verlangt die Allianz etwa, dass sie vorab eine Präsentation vorbereitet.
Es ist heute nochmals über dreissig Grad heiss, irgendwie will der Sommer nicht enden. Ich arbeite tagsüber im Büro. Die Stimmung ist etwas angespannt. Ich mache mein Ding. Es ist Freitag, halb sechs Uhr, bevor ich Feierabend habe. Aber ich habe ja auch nicht erwartet, dass der Abschied einfach wird. Ich ziehe das nun aber sauber und proper durch.
Über Mittag treffe ich mich mit einem alten Arbeitskollegen aus Handelszeiten bei der Axpo, einem Griechen. Er hat mittlerweile fünf Kinder und zwei eigene Firmen gegründet und aufgebaut: dreissig Entwickler in Thessaloniki! Wir sprechen über meine neuen Ideen und was ich von der Entwicklungsseite so brauche. Ich will ja in Zürich nicht noch einmal wirklich ein grosses Büro haben. Mein Gedanke ist, wenn das alles klappt, ein Büro in einer Stadt irgendwo in der Peripherie von Europa aufzubauen. Ich dachte an Italien – Genua, Bologna oder Turin, da könnte ich bequem mit dem Zug hin –, aber dort fehlt mir ein lokaler Partner. Den braucht man halt, alleine ginge so etwas nicht. Also warum eigentlich nicht Thessaloniki? Der Gedanke lässt mich den restlichen Tag nicht mehr los.
Eigentlich bin ich freitags gerne müde. Das heisst, dass ich die Woche intensiv gelebt und gearbeitet habe. So soll es auch sein, es ist eine gute Müdigkeit. Wobei ich in erster Linie wohl einfach müde bin, weil ich diese eine Nacht in London kaum schlafen konnte; das wirkt jetzt nach. Aber morgen bleibe ich etwas länger liegen. Wir haben kein grosses Programm vor: nur das übliche Samstagsding mit etwas Aufräumen, Einkaufen und Mittagsschlaf. Am Sonntag wollen wir dann wandern gehen.
Birgit musste im Zug schon wieder hundert Franken Busse zahlen. Sie hatte ihr Onlineticket nicht aktiviert. Jetzt müssen wir wieder einen Bettelbrief schreiben und um Kulanz bitten. Die SBB sind da mittlerweile gnadenlos: Einmal das Einchecken vergessen – hundert Stutz!
Zu Hause sind ein paar Pakete angekommen: neue Geräte, ganz toll. Aber ich schaffe es heute glaube ich nicht mehr, irgendetwas damit anzustellen. Wobei: Etwas aufbleiben muss ich ja sowieso. Emma ist noch draussen und kommt erst um halb elf Uhr nach Hause. Vorher gibt es für mich keine wirkliche Nachtruhe.