Der letzte Sommertag
Schlecht geschlafen. Wenn der gute Schlaf fehlt, ist der gute Tag meist weit weg. Irgendwann um drei Uhr morgens mochte ich nicht mehr liegen bleiben und bin aufgestanden. Nala war etwas irritiert. Ich habe mir etwas Lesestoff besorgt und mich aufs Sofa gelegt. Wie ruhig es im Haus ist! Irgendwann versuche ich es dann nochmals, es muss wohl kurz vor fünf Uhr gewesen sein. Und als der Wecker um sechs Uhr klingelte, hätte ich definitiv noch weiterschlafen können. Ich rapple mich auf und gehe mit Nala laufen. Die frische Morgenluft tut gut: Ich laufe eine etwas längere Route als sonst.
Am Dienstag ist allgemeiner Bürotag, und ich springe kurz auf einen Sprung vorbei. Aber intellektuell geht heute wirklich nicht viel: Ich verpasse Meetings, vergesse Aufgaben. Ich mag kein Zmittag kochen und kaufe einfach Wähen bei der Migros ein. Von den Dingern habe ich mich die halbe Gymizeit ernährt. Sie stiessen zu Hause allerdings auf wenig Gegenliebe.
Emma zieht gleich wieder los; sie hat heute schliesslich wieder ein Bewerbungsgespräch. Den ganzen Nachmittag über wird sie in Zürich sein. Mio hat am Nachmittag frei. Es ist drückend heiss, der letzte richtige Sommertag. Er und seine Freunde wollen aber nicht nochmals in die Badi: Sie hängen etwas im Quartier herum und gehen mit Nala Gassi. Es würde mich ja schon interessieren zu sehen, wie Mio das mit dem Gassigehen genau anstellt. Irgendwie traue ich ihm nicht ganz zu, dass er das Hundesäckli für den eigentlich angedachten Zweck benutzt. Ich glaube, ich muss ihn mal dazu befragen. Lino hat heute ebenfalls etwas früher aus. Er ging zum Coiffeur, und das völlig freiwillig: Die Matte wurde selbst ihm zu viel. Und siehe da: Er sieht wieder etwas! Sogar Emma findet seine neue Frisur gut.
Ich entscheide mich beim Abendessen nochmals um und packe den Grill aus. Es ist schliesslich der letzte heisse Sommertag; ab morgen kann man endlich wieder Jäckchen anziehen. Für den späteren Abend sind starke Gewitter angesagt – hoffentlich dieses Mal ohne Hagel.
Am frühen Abend erreicht uns noch die Nachricht, dass ein grosser Kunde von uns Konkurs angemeldet hat. Das war dann doch ein kleiner Schock: nicht nur, weil uns wohl eine Stange Geld für bereits erbrachte Dienstleistungen entgehen wird, sondern weil es vor allem viel über den aktuellen Zustand der Branche aussagt. Das war es dann auch für meinen Arbeitstag heute. Ab Montag ist unser US Chef wieder zurück aus dem Vaterschaftsurlaub, dann sollte sich die Arbeitsbelastung wieder etwas normalisieren.
Morgen noch ein letztes Mal nach London. Es reicht nun wirklich: das dritte Mal in drei Wochen. Wir haben Verwaltungsratssitzung, da kann ich nicht passen – gerade auch im Hinblick auf den ganzen Übergang und mein geplantes Ausscheiden. Mal sehen, wie die Stimmung wird.