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Einfach wieder Montag

Meine Theorie ist, dass 90 Prozent meiner Wochenarbeit in sechs bis sieben Stunden erledigt werden können. Der Rest der Stunden gehört einfach irgendwie dazu: Meetings, Reports lesen und derlei. Ich habe glaube ich schon einmal darüber geschrieben. Auf jeden Fall hatte ich heute sicher drei dieser Stunden. Es ist auch oft so, dass diese Stunden nach einem Wochenende erfolgen, an dem einfach mal keine Arbeit war. Es fühlt sich auch einfach gut an, wenn man einen produktiven Arbeitstag hatte. Jetzt könnte ich gleich wieder über die Vorzüge der tollen KI reden, aber dazu ein andermal wieder.

Ich genoss heute auch den Regen. Nachdem sich das Haus geleert hatte und ich meine erste Stunde gearbeitet hatte, fing es an, richtig schön und ausdauernd zu regnen. Wie lange wir das nicht mehr hatten! Heute dann nochmals dreissig Grad, morgen ähnlich und am Mittwoch sind nun neunzehn Grad angesagt. Es ist herrlich, bei Regen im Büro zu arbeiten: Man hört die Tropfen und sonst nichts. Das ist ganz sicher einer der grossen Vorteile eines Tages im Homeoffice.

Und so ist schon bald Mittag und unsere beiden Wülflinger Schulkinder kommen nach Hause. Wir essen die Reste vom Wochenende: Pasta und Pizza. Mio zieht gleich wieder los, er will Süssigkeiten im Coop kaufen. Emma drückt sich vor einer Entscheidung bei der Swisscom. Die rufen heute gleich wieder an, ob sie sich nun entschieden habe. Mein Rat war, dass sie ihnen sagt, sie sei noch unentschieden, möchte nochmals vorbeigehen und sich Büro, Chef und Lehrlinge noch einmal ansehen. Aber das wollte sie nicht. Ich meinte dann, dass Nichtentscheiden am Ende eben auch eine Entscheidung sei: nämlich ein klares Nein. Anscheinend finden viele Jugendliche, dass die Swisscom einen guten Lehrplatz biete – und es gäbe jedes Jahr ein neues iPhone. Aber sie hatte einfach einen so schlechten Eindruck vom Interview. Es ist ja auch so, dass die direkten Vorgesetzten, die Lehrbeauftragten und das Team wichtiger sind als alles andere. Man kann in einem grossen, an sich guten Unternehmen sein, aber wenn man Pech mit dem direkten Team hat, nützt das alles nichts. Heute Abend üben wir nochmals für die nächsten zwei Vorstellungsgespräche: am Dienstag bei La Prairie, am Donnerstag bei der Allianz.

Und kaum schaue ich vom Computermonitor wieder auf, ist es schon wieder nach fünf Uhr. Wie schnell der Tag doch vorbeizieht! Nun geht es schon wieder ans Kochen und Vorbereiten. Birgit hat gut zu tun und ich muss diese Woche nun zum dritten Mal in Folge nach London. Aber wir haben Unterstützung: Am Donnerstag kommt meine Mutter am späten Nachmittag vorbei und kocht das Abendessen.

Einfach wieder Montag! So hiess glaube ich mein Tagesbericht vom letzten Montag. Und genauso ist es heute wieder: einfach nur ganz gewöhnliche Arbeit. Aber war es ein guter Tag? Ja, eigentlich schon! Daher soll der Tagesbericht doch mit etwas Dankbarkeit enden:

Ein Spaziergang mit Nala in der Frische des Morgens. Etwas Nebel, meine Softshelljacke, das Knirschen der Kieselsteine beim Hochlaufen auf den Hügel. Die Zeitungslektüre am Morgentisch. Das Gewusel der Kinder, die sich bereit für den Tag machen. Die plötzliche Ruhe, wenn alle aus dem Haus sind. Das Mittagessen mit Mio und Emma, immerhin zwanzig Minuten echte Familienzeit. Mio geht mit Heval und Nala am späten Nachmittag Gassi, das klappt nun doch ganz gut. Tex Mex vorbereiten und Echo der Zeit hören – was für eine gute Radiosendung! (Und mich fürchterlich über die Serben aufregen, welche dem Kriegsverbrecher und Schlächter Mladic ein Staatsbegräbnis bereiten. Was kam in der Geschichte jemals Gutes aus Serbien? Einfach null Aufarbeitung der eigenen Schuld am Jugoslawienkrieg, kein gutes Zeichen für die Zukunft.)

Aber eigentlich war ich beim Abschluss des Berichts mit Dankbarkeit: Dankbarkeit für das gemeinsame Abendessen, an dem wir immer etwas diskutieren. Mit Emma nochmals das Bewerbungsgespräch üben. Und nun die Zeit alleine am Ende des Tages, um diese Zeilen zu schreiben. Es ist einfach nur Montag, nur ein Arbeitstag – aber wie sehr ich all dies vermissen würde, wenn es nicht mehr da wäre.

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