Unter den Churfirsten und am Rand der Republik
Heute ging es mit Freunden auf eine Wanderung unterhalb der Churfirsten entlang. Zuerst ging es eine Stunde durch den Nebel der Sonne im Toggenburg entgegen. Die Idee hatten viele andere auch: Die Parkplätze waren übervoll. Es ist vielleicht das letzte echte Sommerwochenende des Jahres, ab Mittwoch soll nun endlich der Herbst einkehren.
Wenn ich mir all die Leute an der Sesselbahn so anschaue, denke ich, dass die Bergbahnen bald mehr Geld im Sommer als im Winter verdienen werden. Im Winter ist hier im Toggenburg ohnehin kaum noch etwas los und die Skibahnen sind heillos zerstritten. Aber mit Wanderern, Bikern und sonstigen Bergheilsuchenden lässt sich offensichtlich auch gut leben. Ich würde sofort ein nettes Häuschen im Toggenburg nehmen: Wenn es dann mal richtig Schnee hat, kann man Skifahren, es gibt eine Loipe – wobei das mit dem Schnee eben so eine Sache ist. Aber auch hier: kaum noch bezahlbar. Und so wandern wir bei prächtigem Wetter ein paar Stunden lang, immer von Nala angeführt und mit den Churfirsten fest im Blick. Ich vergesse natürlich, mich einzucremen, sehr zur Belustigung der Kinder am Abend.
Der Tag war im Nu vorbei. Ein echtes Highlight wurde die Talfahrt mit der Kistenbahn: Der Name ist Programm, es ist wirklich eine einfache Kiste, die uns ins Tal hinunterbringt. 14 Franken pro Erwachsener kostet der Spass. Auch beim Wandern läppern sich die Kosten schnell zusammen. Aber schön war es: Wandern tut der Seele einfach gut.

Auf der Rückfahrt kommen wir dann wieder auf das zweite grosse Thema des Tages: die Wahlen in Sachsen Anhalt. Die Kinder sind ebenfalls interessiert. In was für einer Sackgasse die demokratischen Parteien doch stecken! Ich schaue mir am Abend im Fernsehen eine Diskussion und Interviews an, in denen Alice Weidel und eine Frau des BSW miteinander sprechen. „Das sind echte Demokraten“, sagt Weidel über das BSW, weil dieses bereit sei, mit der AfD sachbezogen zusammenzuarbeiten. Beide kritisieren den Verfassungsschutz. Beide Parteien eint am Ende nur das eine Ziel: Sie wollen das alte System zum Einsturz bringen. Die Brandmauer war die verheerendste politische Idee der letzten 25 Jahre.
Als sozialdemokratisch angehauchter Grünliberaler nun mein in Deutschland wohl kaum aussprechbarer Vorschlag: Die CDU offeriert der AfD eine Regierungsbeteiligung, aber unter den Bedingungen der CDU – mit klarem Bekenntnis zur NATO und zur uneingeschränkten Unterstützung der Ukraine. In der Migrationspolitik hat die jetzige Koalition in Berlin das AfD-Programm in weiten Teilen ohnehin längst übernommen, und wirtschaftspolitisch hätten die beiden Parteien wohl kaum unüberbrückbare Differenzen. Schluss mit diesen ewigen Kenia- und Kunterbunt-Koalitionen, bei denen niemand mehr weiss, was er eigentlich wählt.
Die AfD würde an so einer Konstellation zerreissen, und zwar in beiden Szenarien: Schlägt sie die Machtoption aus, wenden sich die bürgerlichen Protestwähler ab, weil sie reale Regierungsverantwortung sehen wollen. Nimmt sie die Machtoption an, treten die Rechtsextremen und Hardliner aus, weil sie diesen bürgerlichen Kurs niemals mittragen würden. Ich lese das Resultat der Wahlen so: Über 60 Prozent wählen rechts der Mitte. Und auch eine SPD könnte sich in der Opposition endlich wieder neu finden, anstatt sich mit acht Prozent in Sachsen Anhalt noch selbst zu beweihräuchern – man sei schliesslich stabil geblieben und stehe besser da als andere. Was soll man dazu noch sagen? Eine von der Wagenknecht-Partei tolerierte AfD-Minderheitsregierung wäre meiner Meinung nach die Schlechteste aller Zukunftsoptionen: Dann regieren endgültig die Ränder.