Die grosse Un-Ordnung ohne Namen
So ganz diszipliniert mit dem Schreiben wie in den USA bin ich nicht. Gestern ging es einfach unter. Nicht dass ich kein Zucken in den Fingern hatte, es hat sich einfach nicht mehr ergeben. Ich schreibe am Morgen, bevor ich mit der Arbeit loslege, ich schreibe jeden Tag Notizen für den Energiemarkt, und am Abend führe ich eben meine Chronik zu den laufenden Ereignissen. Diese sind gerade sehr stark familiär geprägt. Dabei gäbe es politisch ja auch viel zu berichten. Mir schwirrt aber gerade etwas der Kopf.
Es gibt dieses Video auf Twitter. Zwei Frauen sprechen miteinander. Die eine schüttelt nur den Kopf, hält sich die Hand vor den Mund. Sie kann kaum glauben, was sie hört. Die andere erzählt und erzählt. Zwei Jahreszahlen sieht man eingeblendet unter den beiden Frauen. Unter der Erzählenden: 2019. Unter der Ungläubigen: 2026.
seria EXATAMENTE assim pic.twitter.com/QJD9872xef
— webdivo nettinho (@webdivonettinho) March 28, 2026
Ja, so unglaublich viel ist passiert in den letzten paar Jahren: Covid und Lockdown, der Krieg Russlands gegen die Ukraine, der Irankrieg, der Aufstieg der KI. Wie hängt das alles zusammen? Hängt es überhaupt zusammen? Wir lieben ja alle die grossen Erzählungen und Ordnungsrahmen, welche die Entwicklungen, Krisen und das ganze Hin und Her irgendwie erklären. Anders geht das gar nicht für den Menschen. Er braucht eine Story. Nachträglich funktioniert das ja immer sehr gut. Nur gerade im Zeitgeschehen ist es schwer, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Vielleicht fehlen uns einfach noch ein paar Jahre, um die grossen Linien klarer zu sehen. Es fehlt auch noch ein Name für diese Epoche. Der Kalte Krieg war anfangs der 90er-Jahre fertig. Dann kam das amerikanische Moment als alleinige Supermacht. Und jetzt? Multipolare Welt? Der Zweite Kalte Krieg?
Es gibt nun aber doch immer mehr Bücher beziehungsweise Autoren, die meiner Meinung nach die Konturen immer besser herausarbeiten. Das wäre auch mal ein schönes Projekt: dies selber aus dem besten Lesestoff der letzten Zeit herauszuschreiben und für sich selber ein bisschen einzuordnen.
Heute war der letzte Arbeitstag von Birgit. Mio ist zurück von der Übernachtung im Hüttenbaucamp. Lino kam wieder nicht richtig aus dem Zimmer raus. Ich habe drei neue Brillen bei Viu abgeholt: eine korrigierte Sonnenbrille, eine Lesebrille und eine neue Allgemeinbrille – meine Augen haben nochmals etwas nachgelassen. Emma wie eh und je: grunzt herum und hat Spass.
Morgen geht es nach Doro und in die Ferien. Lesestoff habe ich schon parat. Aber zuerst freue ich mich auf die Zugfahrt mit Lino und Nala sowie auf das Hochlaufen. Wir hatten heute fast schon etwas Streit, weil Lino findet, Nala dürfe nicht hochlaufen, sie müsse auf das Bähnlein.