Indirekt Seebad Enge
Ich lese gerade ein Buch namens „Obliquity“. Das lässt sich eigentlich nicht wirklich auf Deutsch übersetzen. Wortwörtlich heisst es Schrägheit. Das Buch ist eine Abhandlung darüber, wieso eigentlich die meisten Ziele besser indirekt angegangen werden als direkt. Der Autor war lange einer meiner Lieblingskolumnisten. Ich bin in der Financial Times mal auf ihn gestossen. Da schreibt er schon lange nicht mehr, aber er ist Ökonom, Autor und hat eine unglaubliche Anzahl von klugen Büchern geschrieben.
Auf jeden Fall arbeitet er wundervoll heraus, wieso der direkte Weg oft gar nicht klappt: Weil wir Probleme meistens gar nicht voll erfassen und beschreiben können. Die Welt ist komplex, und komplexe Systeme entstehen, ohne dass jemand die Gesamtübersicht oder Gesamtlenkung hat. Die profitabelsten Firmen haben Profitmaximierung nicht als Hauptziel, Glück findet man nicht, indem man Glück anstrebt, und so weiter. Ich bin noch ganz am Anfang, aber es hat mich schon hineingezogen. Und dann schreibt er so klar, so einfach.
Wir hatten Männerabend. Ferienbedingt war er heute aber gar klein, wir waren nur zu zweit. Wir weilten im Seebad Enge. Wenn ich dann wieder am See sitze, merke ich doch, dass ich ein Zürikind bin und in Winterthur das Wasser vermisse. Einfach mal reinspringen und schwimmen: kaum zu überbieten. Wir sitzen auf diesem Floss, schwatzen und natürlich schauen wir einfach auch ein bisschen die Züri-People an. Es spricht ja niemand mehr Deutsch hier. Die Menge ist doch recht bunt gemischt, einfach Züri-Style halt. Irgendwie finde ich keinen gemeinsamen Nenner. Ich weiss nicht, wie ich Züri-People definieren würde. Was mir dann auf der Heimfahrt in der S-Bahn einfällt, ist, dass alle alleine da waren. Das war es! Es gab keine oder kaum sichtbare Pärchen. In dem Fall ist das Seebad also ein Fleischmarkt. Aber so jung war das Volk dort dann doch auch wieder nicht. Oder liege ich doch falsch und hier gehen einfach die 30-plus-Erwachsenen aus? Wobei heute werden Familien ja auch erst mit 35 oder später gegründet.
Wie auch immer, es war ein lauer, einfacher, schöner Abend. Die Portion Penne kostet 24.50, das Bier über 8 Franken und das Wasser hat 27 Grad, dessen Zugang weitere 8 Franken kostet. Wir laufen vom Seebad zum Bahnhof Stadelhofen. Die Stadt bereitet sich für die Street Parade vor. Die ersten Pre-Partys laufen schon an und alles ist wunderbar voller Sommerleben.