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Kein Schnebelhorn, Samstagsarbeiten, Bier ab 16 & Sandra

ch bin also nicht auf das Schnebelhorn gekraxelt. Ich war zwar sehr früh wach, habe mich dann aber nochmals zum Schlafen gezwungen.

Es ist Samstag, unser Haushaltsarbeitstag. Der beginnt jeweils, nachdem wir die Zeitung gelesen haben, der zweite Kaffee durch ist und mindestens eines der Kinder wach ist (was immer Mio ist). Es stehen auch plus/minus immer die gleichen Arbeiten an: Einkaufen, Aufräumen oder Gartenarbeit. Heute war von allen dreien etwas dabei. Ich habe Mio beim Aufräumen geholfen. Er stapelt auch gerne – nur der Platz rund um seinen Computer war eigentlich frei und zugänglich. Emma war auch früh auf, sie hatte um 11 Uhr einen Match.

Wir gehen für unseren Samstagseinkauf meistens in den Migros Töss. Der ist im Erdgeschoss des wohl hässlichsten Hochhauses der Schweiz (gemäss einer „20 Minuten“-Umfrage). Es ist wirklich ein Unding. Das Gemisch im Erdgeschoss ist echt speziell: ein zwielichtiger Kreditvertrieb, einer dieser Orient-Barber, ein Türkenbasar, ein Kebabstand, eine Apotheke, Kleiderläden für Frauen ab 60 sowie eine Poststelle. Und dann sitzen etwas abgewrackte Gestalten herum und trinken Bier morgens um zehn Uhr. Wie auch immer, der Migros wurde vor ein paar Jahren umgebaut, ist klein und hat alles. Und draussen auf dem Platz hat es einen kleinen Markt, wo wir gerne einkaufen.

Heute kommen kurz Monika und Karlheinz vorbei. Birgit fährt mit ihr zu einem Chiropraktiker, welchen sie bei der Schwangerschaft mit Lino schätzen gelernt hat – Dr. Venemans oder so ähnlich. Ich war da auch mal, der ist sehr gut. Knackser und Nadelstiche, und es wirkt.

Ich widme mich etwas dem Garten. Der stete Kampf gegen den Wildwuchs. Aber ich mache gerne Gartenarbeit, das hat bei mir den gleichen Effekt wie Wandern. Ich bin draussen, ich bewege mich, ich kriege meinen Kopf frei oder kann nachdenken. Man kann auch wunderbar etwas Podcast hören bei der Gartenarbeit, wenn man dazu Lust hat.

Wir fahren kurz bei Emma vorbei und bringen fünf Kilo Party-Schokolade mit. Es scheint nur partiell gewirkt zu haben. Sie schiesst ein Tor, aber sie lassen 17 Gegentore zu... Ich glaube, in dieser Saison haben sie noch nie gewonnen. Immerhin ist heute die Torwartin nicht mitten im Spiel nach Hause gelaufen.

Ich falle während des Mittagsschlafs ins Koma. Am frühen Abend bin ich auch schon wieder so müde. War wohl wirklich eine anstrengende Woche.

Bei Lino tut sich auch etwas. Er fragt uns jetzt immer, ob er ein Bier darf oder wieso wir ohne ihn was getrunken hätten. Er hat uns ja schon lange kommuniziert, dass er jetzt legal Bier trinken darf. Das darf er auch, und wenn er fragt, darf er sich eins holen und mit uns trinken. Aber das hat er dann doch noch nie gemacht. Sehr wahrscheinlich dauert das auch nicht mehr lange. Wenn ich mir nur überlege, wie ich war mit 16... Ob wir auch so tolerant wären wie meine Eltern?

Mios Gang ist fast den ganzen Tag über bei uns. Sie helfen etwas bei der Gartenarbeit, sie spielen zusammen im Wohnzimmer die Siedler von Catan, was ich grossartig finde und sie essen dann auch alle bei uns. Wir grillen.

Am Abend lerne ich noch unsere Nachbarin kennen. Sie hat sich beklagt, dass ich die Hecke zu ihr rüber geschnitten habe. Sie will nicht, dass man bei ihr reinsehen kann. Sie ist äusserst griesgrämig. Ich stelle mich noch als Luca vor. Sie hat es dann knapp geschafft, von ihrem Handy aufzuschauen und „Sandra“ zu knurren. „Nur weil wir ja Nachbarn sind“, meinte ich, aber sie knurrte nur. Das wird sicher eine harmonische Beziehung.

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