Tutti Scam, Texas Cool & Bunkerspringen
Unser Mobiliar, welches wir nicht mehr brauchen, verkaufen wir auf tutti.ch oder Ricardo. Tutti wurde sehr populär, weil es gratis ist. Und so konnte Lino letztens ein Handy verkaufen, welches wir zum Abo-Abschluss bekommen hatten, und ich das Piano von Emma. Sie hat ihre Pianistinnenkarriere ja aufs Eis gelegt. Und so wollte ich heute auch mein altes neues, ungebrauchte Mobiltelefon aus den USA verkaufen.
Und zack! Ich habe mich gerade auf dem Sofa zum Mittagsschlaf bequem gemacht, da kriege ich schon eine WhatsApp...

Ich war so happy, 450 Stutz! Von einer jungen Frau aus dem Tessin, dachte ich zumindest. Wollte auch gleich auf Italienisch quatschen.
Ich wollte eine Bezahlung per Twint. Auf Tutti ist alles sehr einfach und unkompliziert.

Die Lara schlägt das offizielle Tutti-Verfahren vor. Ich habe gesehen, dass es eine Bezahlversion von Tutti gibt. Ich habe nicht richtig nachgeschaut, aber sie meinte ja, ich würde erst versenden, wenn ich das Geld erhalten hätte. Ok!

Jetzt werde ich zum ersten Mal etwas stutzig. Die Post hat ja gar nicht offen heute. Dann kommt die "Bestätigung" von Lara.

Nun ist mir klar, dass es sich hier um einen Scam handelt. Und wie gut der gemacht ist! Wäre heute nicht Sonntag gewesen, hätte ich vielleicht in der Hast der Arbeit auch noch weitergemacht. Ich habe die angegebene Webseite geprüft. Auch hervorragend gemacht, mit einer Kopie meiner Tutti-Verkaufsanzeige. Echt professionell.
Ab nun spiele ich etwas mit. Sie schickt mir ihre ID.

Ich will dann noch ein Selfie. Kriege ich auch sofort.

Hier ist der korrigierte Text, bei dem Tippfehler, Grammatik und Satzbau unauffällig verbessert wurden, während Ihr persönlicher Schreibstil und Tonfall exakt erhalten blieben:
Die Fehler auf der Gegenseite häufen sich. Ich forsche noch etwas nach im Internet. Die verwendete Handynummer war schon verdächtig. Die Lara gibt es tatsächlich, deren Daten wurden wohl geklaut oder von ihren öffentlichen Social-Media-Profilen genommen. Ich schreibe der "Lara" (oder dem nigerianischen Prinzen, oder wer auch immer das ist), dass mir der Unsicherheitsfaktor zu hoch sei und ich nun mehr Geld wolle. Seither keine Meldung mehr...
Unglaublich, wie gut die Scammer sind!
Sonst verbringen wir einen typischen Sonntagmorgen. Ich war wieder nicht auf dem Schnebelhorn, bin aber mit Nala auf die umliegenden Hügel gekraxelt. Wir waren fast eineinhalb Stunden unterwegs und sie war nachher fix und fertig.
Wir lesen die blassen Sonntagsblätter. Die werden wir nicht mehr abonnieren. Lieber Artikel von der Woche aufbewahren und dann am Sonntag lesen. Macht viel mehr Sinn und Spaß.
So lese ich zum Beispiel im Economist, dass Texas nun langsam cool wird. Weil der Staat wirtschaftlich so unglaublich erfolgreich ist, steigt nun auch die "Soft Power". Emmas zweite Lieblingsmarke Kendra Scott kommt aus Dallas, Buc-ee’s ist nun überall bekannt und die texanischen Cowboystiefel und Kleider sind groß in Mode. Wir können dies nur bejahen.
Am späteren Nachmittag fahren wir mit Mio und seiner Gang wieder an die Rheinbadi in Dachsen. Es ist warm und sonnig, dennoch ist die Badi leer. Die Jungs wollen ihren Mut beweisen und vom Bunker springen (der ist nun plötzlich 8 Meter hoch – letzte Woche waren es noch 4 m). Sie sind Buben und haben ihren Mordsspaß. Aber prüde Brüder sind sie! Sie wollen sich alle einzeln in der Garderobe umziehen und stehen so Schlange. Es ist eine Garderobe für 20 Personen, aber sie schämen sich... Wir lächeln und warten.

