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Memento Mori

Heute Abend weiss ich mal wieder nicht, was ich schreiben soll. Ich musste eben für Mio eine Nerfpistole bestellen. Das ist nun glaube ich die dritte oder vierte Nerfwelle. Das sind so nervtötende Spielzeugwaffen, die mit Gummipatronen befüllt werden. Der Trend kommt und geht. Und wir müssen irgendwie immer mitmachen..

Birgit hat viel zu tun, am Freitag hat sie eine Abgabe. Mio hatte heute zum ersten Mal wieder Klettern. Er geht gerne hin, es ist aber immer noch so eine Sache mit dem Hin- und Herfahren. Eigentlich könnte er das ja schon selber, zumindest einen Weg. Emma ist mit ihren Bewerbungen beschäftigt. Sie hat nun die ersten Gespräche vor Ort. Heute ist auch ein grosses Paket mit ihren Gymivorbereitungsunterlagen gekommen. Es ist doch beeindruckend, was 14-Jährige so alles machen. Nur mit dem Fussball will sie aufhören, das hört sich schon recht definitiv an. Sie findet den Trainer wie auch das Team blöd. Ich kann das etwas nachvollziehen von den Besuchen auf dem Fussballplatz, aber es ist schade, wenn sie sich nicht mehr bewegt.

Sehr wahrscheinlich komme ich auch nicht richtig in den Schreibmodus, weil zu viele Dinge parallel laufen: Nala macht Lärm, Spotify plärrt aus meinem Lautsprecher, ich schreibe nebenbei an einem Artikel darüber – total spannend, wirklich! –, wie sich ein Markt für Compute, also Rechenleistung, entwickelt und wie sehr dieser doch dem Strommarkt ähnelt. Aber der Mensch kann bekanntlich nur eine Sache richtig machen. One thing at a time, wie es im Englischen heisst.

Also: Spotify abschalten. Artikel ruhen lassen. Nala ausblenden. Alles gemacht.

Wir hatten über das Wochenende einen Todesfall im Unternehmen. Ich kannte den Mitarbeiter überhaupt nicht. Er arbeitete in der Finanzabteilung, war remote, das heisst nicht in einem unserer Büros. Ich habe ihn nur einmal in einem grossen Teammeeting gesehen. Er war vielleicht in meinem Alter. Auf jeden Fall kam nun diese Nachricht. Ich weiss noch gar nicht, was ich damit anfangen soll. Irgendwie geht es trotz der Tragik gerade an mir vorbei. Und das Leben im Büro geht einfach weiter. Heute haben wir die gesamte Belegschaft informiert. Es gibt dann die Reaktionen mit Emojis in den E-Mails. Das ist keine Kritik an den anderen, ich bin ja genau gleich. Es ist einfach so krass zu sehen, wie das Leben einfach weitergeht: „Oh, schlimm.“ Und das war es. Es ist zu weit weg, nicht unmittelbar. Mir fällt dazu der Militär- und Galgenhumor ein: „Glück ist, wenn die Kugel den Nebenmann trifft.“

Und nun denke ich an seine Partnerin und die Familie. So hat mich diese Nachricht heute doch bewegt. Es ist gut zu schreiben, es ist gut, sich daran zu erinnern, dass man sterblich ist. Es gibt nur heute, das Hier und Jetzt. Keine Zeit für Lamentieren, Aufschieben oder Trübsalblasen. Immer fort, rein ins Leben.

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hans.muster@beispiel.com
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