Morgenstund, Hitze, Iran
Die Hitze drückt heute zum ersten Mal so richtig. In Texas war es zwar noch heisser, aber die Häuser waren immer schön runtergekühlt. Immerhin im Keller bleibt es angenehm.
Als ich zu Hause ankomme, finde ich zwei laut gröhlende Teenager-Girls am Kochen bei uns in der Küche vor. Bei Emma und ihrer besten Freundin gilt auch, dass 1 + 1 kleiner als 2 ist. Zusammen sind sie gerade eher „Dumm & Dümmer“. Aber sie haben es lustig und wir finden ihre Freundin Marta auch nett.
Mir ist fast schon etwas schwindelig von der Hitze. Der Tag war auch lang. Ich habe gemerkt, dass ich mich wieder erholt habe von der Wanderung, was ich daran merke, dass ich eine Stunde vor dem Wecker aufstehe. Ich hatte so viel Zeit am Morgen, dass ich mit Nala eine lange Strecke hoch ins Totentäli machen konnte. Ein wunderbarer Ort. Nala hat sich wohl erhofft, dort oben wieder die Enten zu treffen, es quakte aber nur aus Froschhälsen. Ich mache meine Dehnübungen und lasse sie alles beschnuppern. Birgit meinte, das sei wichtig für ihr kleines Hundegehirn. Nicht nur laufen, sondern auch verweilen, damit man alles erkunden kann. Mir soll es recht sein. Während ich mich recke und strecke, schnappt sie nach Fliegen.
Am Bahnhof verweile ich etwas vor „Frau Hund“, das ist mein Lieblingskaffeeladen am Bahnhof Winterthur. In der S11 fällt mir wie immer auf, dass ich der letzte verbleibende Zeitungsleser bin. Weit und breit keine Zeitungen mehr. Es gibt ja extra diese Zeitungskübel in den Zügen. Die sind nun auch immer leer. Ich habe extra die letzten paar Male nachgeschaut. Ob ich für die anderen Reisenden nun als komisch und altmodisch gelte, weil ich Zeitung lese?
Heute sickern die Details zu den Vereinbarungen in der Absichtserklärung zwischen dem Iran und den USA durch. Ich kann es kaum glauben, falls das wirklich wahr sein soll. Es liest sich eher wie eine Kapitulation der USA. Wobei – und das ist nicht von mir – dieser Krieg wohl nur eine Kampagne in einem viel längeren Krieg zwischen dem iranischen Imperium und den USA war. Man darf nicht vergessen, dass die Iraner noch vor zwei Jahren über weite Teile des Nahen Ostens herrschten mit ihren Milizen, die Israelis Angst haben mussten, dass die Raketen der Hisbollah ihre Städte in Schutt und Asche legen, und der Weg zur Atombombe nicht mehr weit war. Das Regime hat im Februar noch Zehntausende seiner Bürger umgebracht. In dem Sinne ist dieses Monstrum von Theokratie zurückgedrängt worden, aber der Trumpel hat sich im Hochmut und ohne grosse Beratung in zu grosse Abenteuer gestürzt. Ich dachte immer, dass die Kriege von grossen Kabinetten und ihren Stäben geführt werden, was hier wohl komplett ausgeschaltet wurde. Es wirkt fast ein bisschen wie Putin mit seiner Vollinvasion der Ukraine. Hybris. Wie auch immer, es würde mich nicht wundern, wenn das nur ein temporärer Frieden ist. In den USA stehen Wahlen an. Nachher kann es wieder losgehen.
Heute sind wieder mal viele Angestellte aus allen Ecken Europas in unseren Hauptsitz in Schlieren eingeflogen. Alle 2–3 Monate muss man einfach zusammen in einem Raum arbeiten. Da ich fast alles schon vorbereitet habe, freue ich mich nun einfach nur auf das Wochenende mit Birgit in München.