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Nicht zu missende hektische Dienstage

Manchmal vergesse ich, den Senden Knopf zu drücken. Wobei, das stimmt nicht ganz. Ich schreibe meinen Tageseintrag am Abend, dann, wenn einfach alles erledigt ist. Das Versenden terminiere ich jeweils auf den nächsten Tag. Das ist auf dieser Blogging Plattform aber etwas umständlich designt, und so bleibt der Eintrag halt immer wieder mal hängen.

Was soll ich heute bloss schreiben? Es war schlicht ein hektischer Tag. Am Morgen kurz mit dem Auto ins Büro, zum Zmittag Kochen wieder nach Hause. Um halb zwei kam der Schreiner vorbei, weil Birgit mit irgendetwas an den Schubladen unzufrieden ist. Was sie genau will, verstanden am Ende weder der Schreiner noch ich. Die Schubladen sollen einfach sauber laufen. Eine Lösung gab es heute jedenfalls keine, das geht nun in eine weitere Schlaufe. Dann kurz in einer Telefonpause den Pizzateig angesetzt. Und schon war es wieder halb fünf und mir fiel siedend heiss ein, dass Mio ins Klettern muss. Natürlich waren wir zu spät dran, natürlich hatte es Stau. Die Schlafmützen vor uns fuhren nicht an, und die Ampel liess jedes Mal bloss vier Autos durch. Ein Teams Meeting wartete ebenfalls schon, auch dort loggte ich mich mit Verspätung ein. So war der Tag vor allem von ständigen Unterbrüchen und reichlich Gehetze geprägt. Habe ich heute sonst überhaupt etwas auf die Reihe gebracht? Hm. Vermutlich kompensiert dieser Dienstag bloss meine überproduktiven Montage. Im Schnitt also alles ganz normal.

Birgit war am Nachmittag mit anderen Pedretti Frauen in der Stadt unterwegs. Irgendein Laden lockte mit unglaublichen Schnäppchenpreisen, da gab es kein Halten mehr. Ich hatte ihr zuvor noch extra das Auto aufgetankt, die Restreichweite stand gerade noch bei 30 Kilometern. Gelohnt hat es sich immerhin: Sie hat wirklich ein paar schöne neue Kleidungsstücke nach Hause gebracht. Weite, grosse Hippiehosen scheinen also wieder voll im Trend zu sein. Jetzt fehlen eigentlich nur noch die passenden Plateauschuhe.

Trotz aller Hektik ist der Pizzateig heute gelungen. Das ist ja auch so eine Wissenschaft für sich. Mit jedem Mehl und jeder Hefe verhält sich das Ganze wieder ein bisschen anders. Ich mag es am liebsten, wenn der Teig schön luftig aufgeht und der Rand richtig knackig wird. Gibt es dafür nicht ein passendes Pizzavokabular? Synonyme für Fortgeschrittene. Kross, genau das ist das Wort: Der Teig war schlicht wunderbar kross. Ich muss Birgit unbedingt dazu bringen, bald wieder eigenes Sauerteigbrot zu backen. Wir sind mit unserem Lynerbeck im Quartier zwar verwöhnt, aber ein echtes Sauerteigbrot, frisch gebacken in diesem schweren, schwarzen Gusseisentopf, ist einfach unschlagbar. Leider habe ich den letzten Urteig bei einer etwas übereifrigen Küchenputzaktion versehentlich umgebracht. Dieser Teig, nennen wir ihn Bruno, hatte jahrelang in unserem Kühlschrank gelebt. Für Birgit kommt jetzt natürlich nicht irgendein beliebiger neuer Ansatz infrage. Er muss eigentlich zwingend über Generationen in der Familie weitergegeben worden sein, damit er echte Kultur besitzt. Am Ende wird eben alles zu einer Philosophie und Kunstform erhoben. Aber eigentlich ist das ja auch etwas Schönes.

Tage wie diesen lernt man wohl erst richtig zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat. Es war heute wirklich nur ein einziges Durchhetzen ohne eine Minute echte Ruhe. Volle Dröhnung Familie, Alltag, Arbeit: Ich stecke mitten drin; was will man eigentlich mehr?

Woran denke ich sonst noch so kurz vor dem Einschlafen? An meinen langen Aufsatz. An das bittere Auf und Ab im Ukrainekrieg, wo nun der harte Winter bevorsteht und die Russen mit neuen Drohnen wieder die Oberhand gewinnen. Und genau in diesem Moment merke ich, wie die Müdigkeit endgültig durchschlägt und wie sehr ich mich auf das Bett freue. Wir haben übrigens bereits die dickere Zudecke hervorgeholt, die Nächte werden endlich wieder spürbar kühler. Es gibt kaum etwas, das ich weniger mag, als im Bett leicht zu frösteln. Da streife ich mir mitten in der Nacht lieber kurz die Decke ab, wenn es mir zu warm werden sollte.

Fertig für heute, ich bin nun wirklich bettreif.

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