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Odysseus & Tennis

Odysseus & Tennis

Ich nutze die Morgenstunden und gehe rennen. Die Töss bietet einen erbärmlichen Anblick: Pfützen von grünem Wasser, nicht einmal fusstief und ekelhaft verschleimt. Es hat fast keine anderen Spaziergänger, ausser den üblichen zwei bis drei Hündelern. Mein erstes Morgenhighlight war, dass ich nach zwei Wochen Fressen und Saufen in den Ferien erstaunlich leicht bin. Nichts zugenommen!

Ich arbeite von zu Hause. Alles wirkt so ruhig und aufgeräumt. Ich mache nur zwei Arbeiten, dafür aber saubere Arbeit. Die Kinder haben sich ihr eigenes Ferienprogramm für heute zusammengestellt: Lino geht ins Gym, Emma verbringt die Zeit mit ihrer besten Freundin, die gerade aus Polen zurückgekehrt ist (und sie ist super happy, weil sie eine positive Nachricht von Swisscom im Bewerbungsprozess erhalten hat), und Mio geht mit einem Freund in den Burger King und danach Spider-Man schauen. Er hat den Ferienpass der ZVV und damit gibt es nicht nur ein Sommer-GA im Kanton, sondern auch unglaublich viele coole gratis oder stark vergünstigte Angebote. So hat das Kino heute zehn anstatt 23 Franken gekostet und der Bus hin und zurück war auch gratis. Und natürlich ist es auch cool, dass die beiden Jungs das einfach alleine machen können.

Und so fahre ich am frühen Nachmittag in einer fast leeren, aber gut klimatisierten S-Bahn zum Büro. Dort merkt man auch noch die Sommerstimmung: alles ruhig, obwohl doch einige da sind. Die mit den Kindern sind oder waren in den Ferien, die Jüngeren machen Off-Peak-Ferien.

Ich habe auch mal wieder Lust auf Kino. Wir lesen und reden gerade viel über Nolans Odyssee. Heute meinte ein langer NZZ-Gastbeitrag, die Helden und Stoffe der Antike könnten Halt geben, vor allem jungen Männern. Zeitlose Tugenden, die immer zählen: Weisheit, Mut, Resilienz. Der Text war sehr schön geschrieben und beschrieb die Odyssee als Reihe von Prüfungen, in denen es um Selbstkontrolle, Freiheitsstreben, Autonomie und die Abwehr von Verführungen geht. Wie gesagt, zeitlose Tugenden für ein gelingendes Leben. Er beschrieb dies als sogenannte "anthropologische" Konstante, wobei jeder Mensch immer wieder seinen eigenen Weg finden muss. Hat mir sehr gut gefallen. Der Titel des Artikels lautete „Odysseus’ langer Weg nach Hause“. Auch habe ich noch ein neues Wort gelernt: Misandrie, die gesellschaftlich herrschende negative Stimmung gegenüber Männern.

Am Abend war ich dann noch mit Lino Tennis spielen. Wir hatten einen Platz um 20 Uhr neben zwei Herren, die als Young Seniors gebucht hatten. Lino hat mich vom Platz gefegt, aber das Spielen macht doch sehr Spass. Und gut geschwitzt haben wir auch. Sogar Emma war in der Nähe, sie hat auf der Sportanlage etwas abgehängt. Die Young Seniors haben nur eine Halbzeit ihrer gebuchten Zeit gespielt. Danach war Biertrinken auf der Veranda des Vereinshauses angesagt. Auch gut.

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