Rigi
Dank des Bioweckers habe ich trotz kurzer Nacht nicht verschlafen. Ein kleiner Elektrostoss hat mich dann aus dem Bett katapultiert: Ich hatte vergessen, den Wecker zu stellen, und ich wollte die Wanderung nicht verpassen.
Samstagsmorgens um halb sieben trifft man genau zwei Sorten von Menschen am Hauptbahnhof: Wanderer und Heimkehrer. Letztere torkeln und lallen durch die Bahnhofshalle, erstere sind meistens zielstrebig, forschen Schrittes und bestens ausgestattet unterwegs.
Wir nehmen den Zug nach Arth-Goldau, ein regelrechter Wanderzug. Wir wollen heute die „Königin der Berge“ besteigen, zumindest die touristische Königin: die Rigi. Die wunderbaren Tourisachen lassen wir ja eigentlich immer aus. Und irgendetwas muss ja sein, dass dort so viele Leute hinwollen. Also machen wir heute mal so was.
Es sind fast 1500 Höhenmeter und 20 km über 7 Stunden. Wir schwitzen, aber irgendwie sind wir alle erstaunt, wie ring das Ganze doch ging. Während die Massen mit dem Bähnli hochfahren, sind wir auf dem Aufstieg in kleiner Gesellschaft. Oben angekommen ist auch schnell klar, wieso das so schön ist. Diese Aussicht! Es hat vor allem Amerikaner sowie Asiaten. Scheinen auch alle begeistert zu sein.
Beim Aufstieg haben wir schon zweimal das Welt-, Politik- und Sozialgeschehen durchdiskutiert, was uns nicht hindert, beim Abstieg alles nochmals zu wiederholen. Ich bin dankbar, dass ich hier immer meine 2–3 Slots kriege, wo ich meine Energiethemen loswerden kann, und dann ist es einfach sonst interessant, was so in den anderen Stuben und Hirnen so läuft. Und ein bisschen Klatsch & Tratsch ist wie immer besten Psychohygiene.
Neben dem Gipfel ist das kurze Baden in einem kühlen Bach kurz vor Goldau das Highlight. Frisch gebadet und gekleidet trinken wir noch ein Bier am Bahnhof und zwängen uns dann in den Wanderzug nach Hause. Arth-Goldau nach Zürich am Wochenende ist immer etwas stressig. Immerhin findet jeder von uns vieren einen Sitzplatz. Ich sehe noch, wie Stephan neben mir sofort wegnickt, bis ich auch erst wieder vor Zürich erwache. Es war ein tiefer, wilder Schlaf. Einer der Sorte, wo immer der Kopf wegfällt, weil man keinen richtigen Halt hat.
Zu Hause treffe ich die Familie und Nora, die mit Birgit und Mio bei der Rhybadi waren. Es gibt Pizza. Wir schauen noch kurz beim Fussballspiel der Deutschen rein, wo ich auch gleich wegnicke. Ich lande glücklich und zufrieden kurz vor neun Uhr im Bett.




