Schöne Sonntage & 400 Jahre Doro
Ich bin dann doch nicht zum Spiel aufgestanden. Zum Glück! Drei Uhr ist einfach eine unmenschliche Zeit. Und so blieb ich in meinem normalen Schlafrhythmus, schwang mich mehr oder weniger beschwingt aus dem Bett und machte mich gleich mit Nala auf den Weg.
Heute ist Sonntag, das heisst, wir machen eine grosse Runde. Ins Totentätli zu den Froschteichen, die sich nun tief im meterhohen Schilf verstecken, und dann steil hoch auf den höchsten Gipfel mit dem wunderschönen Blick hinunter ins Schlosstal wie auch ins Rumstal. Es sind fast 200 Höhenmeter, und ich treibe mich die Treppenstufen in Zweierschritten hoch. Nala macht mit, aber man merkt ihr auch an, dass sie sich anstrengen muss. Und wie immer kommt man nicht nur auf dem Gipfel an, sondern man kommt bei sich an. Ich liebe das Gefühl nach dem Aufstieg. Und die Ruhe und Schönheit dort oben. Es ist ja nun wirklich kein Berg, aber einfach ein wunderbares Plätzchen in der Stille. Auf dem Rückweg läuft man an Neuburg vorbei, auch so ein verwunschen schöner Weiler. Wir passieren Felder und Kühe, um dann auf einer Wiese einen einsamen Graureiher zu sehen. Was macht der so weit oben, weg von der Töss?
Zuhause angekommen, wartet auch schon Birgit mit Zopfbrot. Wir waren fast eineinhalb Stunden weg, ein richtiger Ausflug. Wir lesen und diskutieren etwas die Zeitung. Ich richte mich am Tisch mit meinem neuen, wunderbaren Arbeitsgerät ein, dem Tablet mit Tastatur. Wir arbeiten dann ein paar Stunden an den Bewerbungen. Immerhin kann sich das Resultat sehen lassen. Es sind gute Anschreiben geworden: SBB, Stadt Winterthur, Notariat, alle grossen Banken, Swisscom. Alles grosse Unternehmen mit grossen und guten Ausbildungsprogrammen. Aber was für ein Aufwand! Ich frage mich, ob das früher auch so aufwendig war. Wir sind immer noch enttäuscht von Emmas Lehrerin und werden ihr das wohl auch nochmals schriftlich mitteilen.
Ich schlafe dann auf dem Sofa ein, nachdem Mio und Raphael zum Hüttenbau los sind. Die beiden machen es so gut zusammen. Richtig gute Freunde. Am Morgen gab es etwas Krach mit Mio, weil er Gamezeit will. Er weiss dann gar nicht mehr, was das Leben sonst noch zu bieten hat. Wenn die gamelose Zeit überstanden ist, ist er wieder ein normaler Bub. Sie haben eine Stunde lang ein Kartenspiel gemacht und hatten es lustig. Geht doch.
Am Nachmittag arbeite ich unverhofft an meiner eigenen Zukunft. Ich bringe meine Notizen zu Papier beziehungsweise füttere die KI. Es lässt sich so unglaublich gut und schnell arbeiten, solange man mit einem weissen Blatt Papier beginnt, zuerst ein Konzept entwirft und dann die KI steuert und anweist. Ich gerate richtiggehend in einen Sog, und es sprudelt nur so aus mir heraus. Birgit reisst mich dann aus meinem Arbeitskeller heraus, es ist schon fast sechs Uhr. Der ganze Sonntag ist fast wieder vorbei. Wir gehen nochmals mit Nala spazieren.
Wir freuen uns auf die Rückkehr von Lino. Der hatte zwei tolle Tage in Doro und viel von seinen Abenteuern zu erzählen. Hat sich alles super angehört: Wie sie im Regen hochgerannt sind, das Kochen, die Wanderung zum See, das Campieren, das Baden in eben diesem See und dann unten im Fluss beim Wasserfall. Wie schön es ist, Doro zu haben. Wie schön es ist, die nächste Generation zu sehen, wie sie Freude daran hat. 2043 wird das Haus 400 Jahre alt, und ich bin fast pensioniert (wobei man dann sicher etwas länger arbeiten muss). Ich will einfach, dass es mit dem Haus weitergeht.
Das war nun ein wirklich schöner Sonntag.