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Tolggen

Am Freitagabend hatten wir nun unsere Nachbarn aus der Teppichsiedlung bei uns. So heisst angeblich die Anordnung aus den fünf Häusern aus den 60er Jahren. Wir treffen uns jeweils am letzten Freitagabend vor den grossen Sommerferien. Es ist unkompliziert. Birgit macht Focaccia und Gazpacho sowie Pfirsiche, die sie mit Streuseln überbackt. Alles hervorragend. Wir trinken etwas Bier und am Schluss leeren wir noch den Ratafia aus Hettlingen, wunderbar so ein Nussliqueur. Den könnte man eigentlich auch ganz gut selber machen.

Lino ist auf seinem ersten Outdoorwochenende in Doro in ein heftiges Sommergewitter gekommen. Sie und ihre Sachen mussten klatschnass sein. Ich habe dann noch ein WhatsApp gekriegt, wie man den Gaskocher ankriegt. Ich freue mich riesig, dass er da oben ist mit seinen Freunden. Es gibt wenige Schöneres als die Freiheit und Schönheit der Berge in Doro. Ich kann mich so gut erinnern, als ich zum ersten Mal mit meinen Freunden im Gymi nach Doro ging. Ob Lino und seine Freunde auch mitten in der Nacht nackt über den Berg rennen und in den Dorfbrunnen springen? Am liebsten würde ich die ganze Zeit anrufen und ein bisschen mit ihm schwatzen. Wobei ich ja weiss, dass das gar nicht geht. Aber die Pfunderi und Freude ist halt da.

Mit Emma gab es auch ein Donnerwetter, aber mehr schultechnisch. Sie hat einen grossen Tolggen ins Zeugnis gekriegt: Nur ein „genügend“ bei der aktiven Mitarbeit. Und dann hat sie den letzten Multicheck – das ist so ein standardisierter Test, der für die Bewerbungen nun vonnöten ist – vermiest. Das ergibt dann ein etwas durchzogenes Gesamtbild. Birgit war schon mit ihrer Lehrerin reden. Wir beteiligen uns so aktiv am Schulunterricht, wieso hätte sie da nicht vor ein paar Monaten einen Warnschuss geben können? Bei Mios Lehrer war das auch so. Es gab etwas zu besprechen, so eine Art Statusbesprechung, und das wirkt. Es ist das wichtigste Zeugnis, welches für die Bewerbungen gilt. Wir sind einfach enttäuscht, auch von Emma. Wir glauben der Lehrerin sofort, dass sie die Beine hochlegt, den Kopf in die Arme stützt und etwas links und rechts zwitschert. Wir mühen uns ab mit Schnupperstellen und Bewerbungsarbeit und so weiter, aber so ganz angekommen ist es in ihrem Teenagerhirn noch nicht. Vielleicht heute, manchmal braucht es so ein bisschen einen Schocker. Sie ist dann am Samstag gleich ins Berufszentrum, um nochmals für den Test zu üben. Wir können den nochmals machen (nochmals 100 Franken...). Am Morgen haben wir die Bewerbungsschreiben nochmals überarbeitet. Nun schicken wir wohl alles erst am nächsten Freitag ab.

Mio ist selig in seinem Hüttenbaucamp. Sein bester Freund Raphael ist auch schon bei uns und übernachtet hier. Die beiden sind gut beschäftigt.

Endlich läuft auch Emmas Elektroroller aus den USA. Raphaels Vater versteht auch etwas von Elektro und hat ein bisschen gelötet. Nun lädt das Teil wieder. Inspiriert von diesem Schwung habe ich dann heute Abend die letzte USA-Kiste ausgepackt. Dort steckte mein Eisbad drin. Das habe ich im Garten aufgebaut, und dank dem kleinen Stromwandler, den wir für Emmas Elektroroller gekauft haben, kühlt das Teil auch.

Wir gehen nach Zürich für einen Apero. Am Zürichhorn treffen wir Nora und meine Eltern. Es wimmelt. Überall Leute, die mit irgendwelchen Aktivitäten beschäftigt sind: Paddeln, Foilboards, Schwimmen, Grillen, Rumhängen, Rumlaufen. Ein Riesengeläufe. Das Leben pulsiert. Wir besprechen ein bisschen die anstehenden Ferien. Wir treffen uns zuerst fast alle in Doro und dann ganz sicher alle zur Hochzeit in Apulien. Alle freuen sich.

Und nun frage ich mich, was ich mit dem Fussballspiel um drei Uhr morgens mache. Das beschäftigt mich schon die letzten zwei Tage. Ich schwanke noch hin und her. Ist einfach eine blöde Zeit.

Bibi im Zürichsee

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