Strandtag & Tennisabend
Wenn ich nur noch im Notizblock rumkritzle, jeden Tag Bücher wälze und nicht mehr weiss, ob Dienstag oder Mittwoch ist, sind das alles Zeichen, dass ich mich gut erhole. Mein Gesundheitstracker ist etwas verstimmt, weil ich viel esse, viel trinke und mich kaum bewege. Aber der Gesundheitstracker hat auch noch nicht viel vom guten Leben wirklich verstanden.
Das Einzige, was mich etwas stört, ist, dass wir nicht mit dem Bus hier sind. Wir fahren sonst immer mit unserem VW Bus nach Italien und freuen uns, dass wir dann gross einkaufen können: Wein, Olivenöl und auf der Rückfahrt dann einmal Grosseinkauf mit frischer Pasta, Grana und Wurstwaren. Das fällt diesmal leider aus. Ich würde mich hier bei der Tourismusförderung melden und einen Deal mit den Fluggesellschaften machen: einen grossen, wunderbaren Einkaufsladen mit allen Köstlichkeiten am Flughafen, wo die Ware gleich eingecheckt wird. Ein 23-kg-Koffer kostet ja so etwa zwischen 80 und 100 Franken. Das könnte man ja noch etwas hochschrauben mit unkomplizierten, langsamen Transport über die Landroute. Uns war das ja gleich etwas zu umständlich, kürzlich auf dem Weingut. Tja, das sind dann so Ideen, die nun am Strand entstehen.
Wobei ich insgeheim in Gedanken die ganze Zeit bei meinem neuen beruflichen Projekt bin. Alle 10 Jahre war Neues. Das belebt ungemein, merke ich gerade. Auch der Umstand, dass es natürlich schiefgehen kann. Aber damit kann ich gut leben, seit Pexapark, wo wir doch mehrere Nahtoderlebnisse hatten, bevor wir endlich auf wirtschaftlich eigenständigen Füssen standen. Aber es war auch eine andere Zeit. Wir haben 50 Millionen Euro eingesammelt, und die Investoren wollten natürlich vor allem grosses Wachstum sehen. Das haben wir auch geliefert, bis es einfach nicht mehr ging. Geld war billig. Die Bewertungen hoch. Das hat sich nun alles etwas geändert. Die Bewertungen sind immer noch hoch, aber das Geld ist nicht mehr billig.
Und wie schon so oft in meinen letzten Tagesberichten: Ich bin gerade sehr mit KI beschäftigt. Es ist so ein wunderbares Tool, um zu arbeiten, vor allem für Recherchearbeiten. Aber immer mehr auch, um doch recht komplexe Prozessarbeiten durchzuführen. Und es ist einfach spannend zu sehen, wie sich sozusagen live die Wirtschaft neu strukturiert und welche grossen Kämpfe zwischen den Tech-Unternehmen ausgefochten werden. Natürlich geht es um sehr viel Geld. Mich interessiert vor allem auch, wie man KI für das öffentliche Gemeinwesen und Gemeinwohl einsetzen kann.
Ich versuche seit ein paar Wochen, parallel zur bekannten Google- und Microsoft-Welt, meine Applikationswelt komplett mit freier, europäischer oder einfach „sicherer“ Software aufzubauen. Es braucht schon einen erheblichen Mehraufwand. Aller Anfang ist schwer. Was Google und Microsoft einem leicht machen, ist die Integration all dieser Applikationen, aber dadurch ist man dann auch einfach gefangen. Mir macht es aber einfach mehr Spass, Produkte und Dienstleistungen von coolen Unternehmen zu kaufen. Die Welt ist viel bunter, vielfältiger und interessanter, wenn man die eingeschlagenen Pfade der grossen Monopolisten verlässt.
Heute waren wir in einem sündhaft teuren Strandbad in der Gegend um Fasano. Wir hatten richtige Betten am Strand. Ein Beachclub. Einfach so im Bett am Strand liegen ist doch sehr schön, vor allem „chillig“. Auch gab es wiederum ein exzellentes Restaurant. Ich wollte zuerst einfach liegen bleiben und nichts essen. Birgit meinte aber, dass ich aus Höflichkeit mich einfach dazusetzen soll. Es kam dann so, wie es kommen musste. Es gab ein kleines Gelage mit einer „Grand Crudo di Mare“-Platte: Scampi, Muscheln, Austern. Und natürlich Rosé. Und zum Schluss Sgroppino. Sgroppino ist ein erfrischender, cremiger italienischer Cocktail, der aus Zitronensorbet, Wodka und Prosecco zubereitet wird. Man merkt auch den Alkohol nicht, zumindest haben wir uns das eingeredet. Danach konnte man zumindest wieder gut am Strand weiterschlafen.
Die Kinder haben dann aber etwas Stress gemacht. Sie wollten nach Hause an den Pool. Zum Glück haben wir die Anlage für uns alleine. So wird auch niemand gestört. Wobei so unachtsam sind unsere Kinder nun auch nicht. Aber es ist schön zu wissen, dass man sowieso niemand stören würde.
Nur der alte, 13-jährige, traurige Hofhund hat uns heute Morgen etwas auf Trab gehalten. Er lag in seiner Ecke und bellte andauernd. Wobei er gar nicht mehr richtig bellen kann. Ich habe ihn dann aufgesucht, aber was will man einem Geschöpf am Ende seiner Tage noch sagen? Ich konnte ihn weder wegweisen noch schimpfen. Ich habe mich dann verzogen und ging in den Pool, um mein Atemtraining zu machen. Ich habe das Training wieder aufgenommen. Zu Hause hat mir dazu etwas die Disziplin gefehlt. Nur an Homeoffice-Tagen komme ich wirklich dazu. Bei mir hat sich gezeigt – wie von der Atemtrainerin, die wir vor ein paar Jahren besucht haben –, dass ich durch das meditative Atmen über die Zeit weniger lange die Luft anhalten kann. Vereinfacht gesagt: Man fährt runter, wenn man nach dem Ausatmen die Luft anhält (das reduziert aber die Fähigkeit, die Luft lange anzuhalten). Wenn man die Luft möglichst lange anhalten möchte, dann muss man die Luft nach dem Einatmen anhalten. Mir gefällt aber das Runterkommen ungemein, man ist dann gleich so geordnet und klar.
Vor dem Abendessen waren wir noch auf Apero und Shopping in Fasano. Was für ein Bijou! Alles relaxed: Läden, Piazza. Ganz das Gegenteil von Ostuni. Ich bin in Stimmung und kaufe mir auch feines Tuch in Form von neuer Hose und leichten Pullis.
Es gibt Salat und Pasta, selbst gemacht. Und nach dem Abendessen spielen wir alle Tennis. Es hat eine Anlage mit Flutlicht inmitten des Olivenhains. Vollmond in voller Pracht. Fast schon etwas magisch. Ich habe, glaub ich, seit 20 Jahren nicht mehr gespielt, aber es macht immer noch riesigen Spass. Und genauso haben alle anderen auch ihren Spass dabei.
